Wie dir die Neurologie hilft, die Angst vor dem Coronavirus aufzulösen

Das Coronavirus ist mittlerweile in aller Munde. Auch bei meinen Klienten werde ich im Nebensatz immer wieder darauf angesprochen, wie sie denn am besten mit der Angst umgehen sollten. Viele sind verunsichert, haben sogar Angst und werden dadurch tatsächlich im Alltag eingeschränkt.

Fragst du dich auch, wieso manche von uns auf äußere Einflüsse, wie das Coronavirus, mit besonders viel Angst reagieren? Möchtest du wissen, was die neueste Hirnforschung zum Umgang mit solchen Ängsten sagt?

In diesem Artikel erfährst du,

  • welche Ratschläge uns die Neurologie bei Ängsten gibt
  • wie du anderen dabei helfen kannst, ihre Ängste vor Krankheiten zu besiegen
  • was die “Schiebetechnik” bedeutet und wie du sie anwenden kannst

 

Wir fürchten das Bekannte

Der Irrglaube ist, dass wir das Unbekannte fürchten. Doch wir fürchten, das Bekannte wieder zu erleben. Unser Gehirn kennt „Nichts“ nicht. Etwas Unbekanntes wird ausgeblendet und durch etwas Bekanntes ersetzt.

Wenn wir vor einer Krankheit Angst haben, dann nur deshalb, weil sie uns an eine vergangene Krankheit erinnert. Oder zumindest an eine Situation, in der wir, ähnlich einer tödlichen Krankheit wie dem Coronavirus, keine Kontrolle über die Situation hatten.

Bei mir persönlich treffen zwei Situationen zu:

  1. Als ich als 14jähriger auf dem Bett im Krankenhaus lag, meine Familie um mich herum, ich kurz vor einer Not-OP. Mein Blinddarm war geplatzt. Die nächsten zwei Wochen wurden die schrecklichsten, die ich als unter 20jähriger erlebte. Mir wurde Morphium verabreicht, ich konnte mich im nachhinein an zwei Tage nicht mehr erinnern. 
  2. Als ich als 6jähriger Strafarbeiten von meiner Stiefmutter erhielt, weil ich z.B. vergessen hatte, den Müll runterzubringen. Ich musste 50mal schreiben, dass das nie wieder passieren würde. Mein Vater griff nicht ein.

Krankheit und Kontrollverlust. Die beiden Situationen sitzen extrem tief. Weshalb die erste Situation so entscheidend ist, dazu später im Artikel mehr. Trauma reagiert mit Panik oder Angst, um zu vermeiden, dass das bekannte, vergangene Leid wieder eintritt. Es ist dein „Wächter“, der in deinem Leben alles erkennt, was diesen leidvollen Gefühlen ähnelt. Und dadurch nur noch mehr Leid erschafft.

Was kann ich gegen Ängste wie das Coronavirus tun?

 

1. Autosuggestion verwenden

Die Bereiche Autosuggestion und Placebo sind mittlerweile unglaublich gut erforscht. Ich möchte dich hier nicht mit Details belästigen, deshalb hier eine kurze Zusammenfassung:

Dein Gehirn ist nicht in der Lage, zwischen einer realen, aktuell existierenden Situation und der Situation, die du dir einredest, als ob sie die Realität wäre, unterscheiden. 

Verstanden?

Hier ist ein Beispiel:

Du hältst dich vielleicht für ängstlich, wenn du vor einem Bewerbungsgespräch stehst. Das ist die reale, aktuell existierende Situation. Wenn du deinem Gehirn nun folgendes häufig genug sagst, kann es irgendwann nicht mehr zwischen den beiden Realitäten unterscheiden und wird die neue Realität anwenden:

“Ich bin ein mutiger Mensch. Ich werde dieses Gespräch mit Leichtigkeit bewältigen. Was ich mir vornehme, wird auch gelingen.”

Wichtig dabei ist, dass du keine Negationen benutzt. Dein Gehirn kennt nicht nur Unbekanntes nicht, sondern auch kein “nein” oder “nicht“.

Denke jetzt z.B. auf keinen Fall daran, wie du auf der Rehling eines Schiffes stehst und ein pink-farbener Delphin an dir vorbeispringt. Da war er. Sage also nicht Dinge, wie z.B. “ich bin kein ängstlicher Mensch”, sondern stattdessen “ich bin ein mutiger Mensch”. Das braucht vielleicht etwas Übung, aber dein Gehirn wird diese neuen Bahnen für dich aufbauen und eine neue Realität aufbauen. 

Im Beispiel Angst vor dem Coronavirus, könntest du dir z.B. folgendes mehrmals laut oder in Gedanken aufsagen:

“Mein Körper ist völlig gesund. Mein Körper ist eine Wundermaschine, die Krankheiten selbstständig bekämpft.”

Am Effektivsten ist das in dem Moment, in dem die Angst gerade in dir aufkommt. Sage dir diese Worte dann direkt mehrmals auf. Du wirst wahrscheinlich sofort eine Besserung bei deiner Angst vor dem Coronavirus verspüren.

2. Die Schiebemethode gegen das Coronavirus und Ängste

 

Die Schiebemethode ist ebenfalls eine Technik aus der aktuellen Hirnforschung. Erstmalig wurde sie konkret von Klaus Bernhardt in seinem Buch “Panikattacken und andere Angststörungen loswerden” beschrieben.

Ich erkläre sie mal in meinen eigenen Worten, Schritt für Schritt:

  1. Stelle dir eine Situation vor, die unangenehm war. Schließe dabei die Augen. Wenn es um Krankheiten ging fiel mir persönlich die beschriebene Situation ein, als ich im Krankenhaus lag. Diese Situation ist mit viel körperlichem und psychischem Schmerz verbunden. Unser Gehirn speichert ab: Gefährliche, vergangene, bekannte Situation. Trifft diese Situation wieder ein, mit Angst und Panik reagieren, um sie zu vermeiden.
  2. Achte darauf, wenn du dir eine Situation vorstellst, auf welcher Seite deines Gehirnes die Bilder auftauchen. Ist es eher rechts oder links? Manche können sofort eine Seite ausmachen, auf der die Bilder erscheinen. Woher das kommt? Neuronenbahnen benutzen immer vorwiegend eine Gehirnhälfte, um ein Erlebnis abzuspeichern. So werden negative Erlebnisse dann fast immer auf der einen und die positiven Erlebnisse auf der anderen Seite gespeichert. Auf welcher Seite erscheinen die Bilder bei dir? Überprüfe es jetzt, bevor du weiterliest.
  3. Bei mir persönlich erscheint das Bild, als ich im Krankenhaus lag, auf der rechten Seite. Nun betrachte ich das Bild und schiebe es gedanklich in die Mitte meines Blickfeldes, während ich die Augen geschlossen halte. Teste das jetzt und schaue, was passiert.
  4. Nun kann es sein, dass das Bild wieder nach rechts rutscht. Schiebe das Bild dieses Mal weiter als über die Mitte hinaus. Achte darauf, was passiert. Tue das jetzt.
  5. Und? Was hast du gemerkt? Vermutlich, dass es dir schwerer fiel, das Bild auf die andere Seite zu schieben. Gleichzeitig wurde aber auch deine Stimmung besser und das Bild hat sich etwas verändert. Bei mir wurde z.B. aus einem Bild aus schwarz-weiß ein Bild aus Farbe, ich fühle mich besser und springe sogar nach einer Zeit Übung auf dem Krankenbett herum.
  6. Führe die Schiebetechnik zu beginn am Besten mindestens einmal täglich für mindestens fünfmal durch oder immer dann, wenn dir danach ist.

 

Fazit: Die Angst vor dem Coronavirus und Krankheiten ist besiegbar

 

Ich konnte alleine bei meinen Klienten durch ein wenig Übung und Gespräche in wenigen Wochen deutliche Verbesserungen erzielen. Das ist insofern deshalb erstaunlich, da Krankheiten wie die Hypochondrie normalerweise als unheilbar gelten. Einer meiner Klienten hatte panische Angst vor Krankheiten, besonders immer dann, wenn er von dem Coronavirus hörte. Die in diesem Artikel vorgestellten Übungen und Informationen haben seine Symptome und Ängste fast vollständig aufgelöst und ihm Lebensqualität zurückgegeben.

 


 

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