Unter buddhistischen Decken: Wie sich Sexualität im Buddhismus von westlichen Sichten unterscheidet

So unterschiedlich wir Menschen sind, so bunt und vielfältig sind auch die Absichten, mit einem anderen Menschen Sex zu haben. Das, was viele für die einzigen Absichten halten, nämlich, dass wir uns zu jemandem körperlich hingezogen fühlen oder von Sex regelrecht besessen sind, sind allerdings nur die oberflächlichen Merkmale. Was wir oft ausblenden, weil es uns nicht zugänglich ist oder in unserer Haltung der Verdrängung nicht erkannt werden will, sind zusätzliche Faktoren, wie z.B. Langeweile, Unzufriedenheit oder ein schlichtweg eigenartiges Verständnis davon, wie wir Zuneigung ausdrücken können, weshalb wir uns lediglich auf die körperliche Ebene konzentrieren.

Wenn wir erkennen und akzeptieren, dass das Ausleben sexueller Fantasien uns weiterhin von tiefen Problemen distanziert und nur eine kurzfristige Lösung ist, dann geben wir uns auch die Möglichkeit, die Probleme lösen zu können, die mit unserem leicht animalischen Verhalten einhergehen.

Sexualität im Westen

Dass es “die Ethik” gibt, widerspricht schon den Lehren des Buddhismus und auch des Taoismus, doch die westliche Welt geht davon aus, dass es, betrachten wir hier zuerst einmal die allgemeine Definition von Ethik, lediglich eine Ethik geben könnte.

Die biblische Betrachtungsweise, von der die westliche Welt ja stark geprägt ist, stützt sich natürlich auf die Bibel und knüpft augenblicklich, und ohne die Möglichkeit einer Interpretation, an die zehn Gebote an. Schon im frühen Alter wird Kindern westlicher Religionen vermittelt, dass sie “gut” sind und in den Himmel kommen, wenn sie sich an die Gebote halten. Psychologisch betrachtet ist die andere Seite, nämlich die Nichteinhaltung der Gebote, viel einschneidender. Hier wird mit Schmerzen gearbeitet, nämlich in Form von Ängsten, die die Kinder auch im Erwachsenenalter davon abhalten sollen, die Gebote zu brechen und “Fehler” zu machen, die andere (sie sagen “Gott”, obwohl sie nicht Gott meinen, sondern sich selbst) enttäuschen könnten.

Bei Kindern wird übrigens sehr schnell aus “das war schlecht” ein “ich bin ein schlechter Mensch”, womit sich die stete Gehorsamkeit der westlichen Religionen fließend in die kollektiven Erziehungsmethoden einreiht, nach welchen ein Kind grundsätzlich schlecht ist, wenn es sich nicht an die Regeln hält, die ihm von Anderen vorgeschrieben werden. Die Vorstellung einer Hölle, in der wir nach dem Tod auf ewig leiden werden, ist selbst für einen Erwachsenen unerträglich, wenn er daran glaubt.

Aus diesem hin und her des “gut” und “böse” wird ein chronisches Gefühl der Unsicherheit. Wir versuchen möglicherweise der höheren Autorität zu folgen, das Mindeste ist ja, so wird uns gesagt, die Einhaltung der zehn Gebote, weshalb wir uns andauernd die Frage stellen:

“Was darf ich tun?”

Wenn wir von der Warte der westlichen Ethik aus die buddhistische Ethik betrachten, dann stellen wir uns auch hier die Frage, was wir “tun dürfen und was nicht”. Doch auch in diesem Bereich entscheidet sich der Buddhismus grundlegend von den Prinzipien, nach denen der Westen lebt.

Ursache und Wirkung

Der Buddhismus baut auf den “Vier edlen Wahrheiten” Buddhas auf, die somit auch die buddhistische Ethik enthalten. Hierin ist bereits alles “versteckt”, was wir benötigen, um die sexuelle Sichtweise des Buddhismus verstehen zu können. Wir wissen, dass das Leben nicht leicht ist, doch wir wissen auch, dass es dafür immer einen Grund gibt. Wenn wir uns also von den Problemen des Lebens lösen wollen, dann müssen wir die Gründe dafür finden und entfernen. Die liegen niemals außerhalb, sondern immer in uns selbst.

Buddha lehrte im Buddhismus, dass wir selbst die Entscheidungen treffen können und dürfen, ob wir die Gründe unserer Probleme beseitigen möchten oder nicht. Er gibt keine Vorgaben oder Regeln, wie wir etwas zutun haben, er lehrt lediglich, wie es möglich ist. Hier erkennen wir schon einen entscheidenen Unterschied zur Bibel, denn Buddha sagt nicht, dass wir etwas tun müssen, da wir ansonsten schlecht sind. Er sagt uns nur, dass wir uns Probleme schaffen, wenn wir etwas Bestimmtes tun. Wenn wir das nicht wollen, dann sollten wir aufhören es zu tun.

Er gibt uns selbst die Möglichkeit der Verantwortung über uns, also auch über unsere Gefühle, Gedanken und Handlungen, in die Hand und sagt: Handle so, wie du es für richtig hältst, aber beachte, dass dir bestimmte Verhaltensweisen schaden werden.

Die Krux hierbei ist: Wenn wir wissen, wie wir Leid vermeiden können, dann fällt es schwer, dieses Wissen nicht anzuwenden, denn rein biologisch möchte kein Mensch freiwillig leiden, wenn er weiß, wie er es vermeiden kann. Wenn wir nicht wissen, wie wir Leid vermeiden können, dann können wir das Wissen auch nicht anwenden, doch Buddha gibt uns dieses Wissen. Wir sind somit positiv gefangen in einer Situation, in der uns die Entscheidung relativ einfach fällt, ob wir weiterhin so leben wollen. Aus diesem Grund werden die Lehren seit tausenden von Jahren weitergegeben, da es unmöglich ist, sie negativ gegen andere oder sich selbst anzuwenden.

Wir kennen die Verhaltensweisen, die uns schaden werden und wir wissen, wie sich auf uns auswirken werden. Deshalb sind wir nicht weit entfernt von der direkten Erkenntnis, nachdem wir ein Problem entdeckt haben, dass wir es selbst ändern können. Hier treffen dutzende, grundlegende Erkenntnisse aus unterschiedlichen Bereichen zusammen, wie der kognitiven Verhaltenstherapie, der Psychoanalyse, der Sozialpädagogik und der Neurowissenschaft, nämlich, dass wir

  • unter Druck und Zwang keine Probleme lösen können

  • lediglich durch Selbstverantwortung Probleme lösen

  • aus der Opferhaltung herausgehen müssen, um Probleme lösen zu können.

“Ein Problem hat immer eine Lösung. Gibt es keine Lösung, dann ist es auch kein Problem.”

Nehmen wir die Wut als Beispiel, die uns immer wieder vor eine Entscheidung stellt und stellen sie den westlichen Religionen samt den entsprechenden Erziehungsmethoden gegenüber. Im Buddhismus erkennen wir, dass wir wütend werden, z.B., weil wir betrogen wurden. Wir erkennen, dass wir eine Wahl haben, nämlich in sehr vielen Bereichen. Wir haben zum Einen die Wahl, ob wir nun wütend reagieren möchten, womit wir im Endeffekt nur uns selbst schaden würden. Wir haben auch die Wahl, wie wir mit dieser Situation umgehen wollen, was uns wieder vor eine Entscheidung trifft, die langfristig aus dem Leid herausführt. Ohne Entscheidungen zu treffen, die uns von unserem schädlichen Verhalten lösen, werden wir keinen positiven Fortschritt erleben, doch auch das ist unsere Entscheidung.

Schädliches Verhalten

Schädliches oder destruktives Verhalten hat im Buddhismus immer vier Ausgangspunkte, nämlich Ärger, Anhaftung, Unwissenheit oder Gier, nach denen grundsätzlich alle Entscheidungen getroffen werden. Diese vier störenden Emotionen verursachen über 84.000 weitere Gefühle, auf die ich aus Platzgründen nicht weiter eingehen möchte, in meinen anderen Artikeln allerdings größtenteils tue. Wichtig ist lediglich zu wissen, wann unser Verhalten von einem dieser Störgefühle kommt. Sobald wir erkennen, welche Gefühle dafür zuständig sind, dass wir schädliches Verhalten ausführen, können wir die Ursache, nämlich diese Störgefühle, vermeiden.

Diese Vorgehensweise bedarf Reflexion, denn ohne diese ist es überhaupt unmöglich, schädliche Gefühle, bzw. in der Konsequenz schädliches Verhalten, zu erkennen. Dabei konzentrieren wir uns lediglich auf uns selbst. Es ist irrelevant nach Interpretationen zu fischen, die uns vermitteln könnten, wie sich unser Verhalten auf jemand anderen auswirkt. Wir haben nicht die Möglichkeit, Gedanken oder Gefühle vorauszusagen oder in den Kopf des anderen zu blicken. Wir wissen z.B. nicht, ob die Weihnachtsgeschenke, für die wir uns monatelang Mühe gegeben haben, bei den Beschenkten gut ankommen werden.

Was wir allerdings wissen bzw. herausfinden können, ist, wie sich unser Verhalten auf uns selbst auswirkt. Wir wollen es vielleicht nicht wissen, aber das trennt uns nicht von der Verantwortung, die wir übernehmen müssen, um etwas zu ändern. Ich wiederhole mich gerne: Wenn wir nichts ändern wollen, dann müssen wir mit den Konsequenzen leben, ansonsten schaffen wir nur noch mehr Probleme. So können wir in der Haltung des “Nichtsänderns” aber auch erkennen, welche negativen Folgen dieses Verhalten auf unsere Zukunft haben wird.

Im Moment mag es uns vielleicht angenehm und befriedigend erscheinen, wenn wir z.B. unseren Partner betrügen, indem wir mit jemandem schlafen, der uns etwas gibt, nach dem wir im Moment suchen. Das ist allerdings nur kurzfristige Befriedigung. Das Störgefühl Unwissenheit meint im Buddhismus vorallem Lebenserfahrung und nicht das Auswendigkönnen aller amerikanischer Staaten. Wir wissen, dass sich dieses Verhalten langfristig negativ auf unser Leben auswirken wird. Wir wissen, dass wir vor Probleme gestellt werden, die wir in diesem Moment der Gier ausblenden. Wir wissen, dass wir vor Problemen, die sich in uns befinden, nicht wegrennen können. Wir wissen, dass uns auf kurz oder lang Gewissensbisse innerlich zerfressen und wir unserem Partner das Verhalten beichten werden. Wir wissen, oder wissen es auch nicht, aber wir können es zumindest ahnen, wie unser Partner darauf reagieren wird und wir können auch ahnen, welchen Schaden unser Partner und unsere Beziehung dadurch davontragen wird.

Spätestens bei dem letzten Punkt, der, wenn wir ihn erkannt haben, in uns mindestens Mitgefühl auslösen sollte, wenn wir denn noch etwas für unseren Partner empfinden, sollten wir uns über die Konsequenzen unseres Verhaltens im Klaren sein und eine entsprechende Entscheidung treffen. Paartherapeuten sprechen mit den Paaren immer über die Absicht, die einen der Beiden dazu veranlasst hat, seinen Partner zu betrügen. Wir können diesen unangenehmen, schmerzlichen und langwierigen Weg schlichtweg vermeiden, indem wir jetzt eine Entscheidung treffen, die langfristig betrachtet nicht destruktiv sein wird.

“Der Zimmermann bearbeitet das Holz.  Der Schütze krümmt den Bogen.  Der Weise formt sich selbst.”

– Buddha

Was ist unsere Motivation?

Wie alle Verhaltensweisen in unserem Leben hat auch Sex eine Grundmotivation, die unserem biologischen Muster entspringt. Nach diesen Mustern treffen wir Entscheidungen, die sich erst einmal von moralischen und ethischen Grundsätzen abkoppeln.

Wir schlafen, weil wir müde sind und hinterfragen nicht, warum wir nun müde sind.
Wir essen, weil wir Hunger haben und hinterfragen nicht, warum wir Hunger haben.

So ist es auch mit unserem Sexualverhalten, das sich auf körperliche Reaktionen stützt, die da z.B. die Produktion von Sexualhormonen wären. Natürlich möchte ich die Intention von der Aufnahme von Nahrung nicht mit der sexuellen Befriedigung vergleichen, denn Nahrungsaufnahme ist überlebensnotwendig, wohingegen Sex, zumindest aus biologischen Gesichtspunkten betrachtet, lediglich der Fortpflanzung dient.

Unzufriedenheit

Ich möchte noch einmal zu den Gemeinsamkeiten zurückkommen, die unterschiedliche Verhaltensweisen verbinden. Wie schon beschrieben, können diese schädlich sein und entspringen immer einem schädlichen, inneren Zustand. So führt z.B. Unzufriedenheit oder chronische Unzufriedenheit als krankhafte Form, der Depression, die beide einen destruktiven inneren Zustand darstellen, auch zu schädlichem Verhalten.

Vorallem Menschen, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, wird immer wieder betrachtet und beobachtet, dass diese z.B. keinen Wert mehr auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung oder soziale Beziehungen achten. Dass diese Verhaltensweisen die inneren Zustände wie in einer Spirale verschlechtern, ist nicht weithergeholt, weshalb gerade hier das eigene Verhalten, wenn möglich von sich selbst oder von anderen, vorsichtig betrachtet und angepasst werden muss. Ein positiver Aspekt der Nahrungsaufnahme ist z.B. der Spaß an der Nahrungsaufnahme oder schlichtweg die Absicht, satt zu werden. Das ist notwendig und hat somit keine innere Intention, die schädlich ist.

Wenn wir dies auf der sexuellen Ebene betrachten, dann erkennen wir, dass sich auch hier schädliche Gefühle negativ auf unser Verhalten auswirkt. Ein Mensch, der z.B. voller Hass und Gier ist und deswegen jemanden vergewaltigt, also der bloßen Befriedigung und Stilllegung seiner Störgefühle wegen, der handelt schädlich. Wenn wir Sex aus Gründen der selbstlosen Zuneigung und Liebe haben, oder um jemandem unsere Nähe zu geben, damit dieser sich besser fühlt, dann ist das natürlich nicht schädlich, sondern entspricht unserem inneren Zustand, der ebenfalls positiv und nicht verwerflich ist.

Ursache und Wirkung.

Unzufriedenheit ist einer der Hauptgründe für destruktive, sexuelle Verhaltensweisen, da Unzufriedenheit einen inneren Zustand darstellt, den wir durch schädliches Verhalten zu kompensieren versuchen, da wir nur die kurzfristige Befriedigung erkennen. Dazu gehören vorallem Sexualpraktiken, die mit Schmerzen im Konflikt stehen, wie z.B. Sadomasochismus (eine Sexualstörung), Pädophilie, Exhibitionismus, Analverkehr (bei heterosexuellen Paaren) oder Sex zu Tageszeiten oder an Orten, zu oder an denen unser Verhalten zu langfristigen Problemen führen kann.

Bei all diesen schädlichen Verhaltensweisen spielt Unzufriedenheit eine Rolle, die es nicht zu unterschätzen gilt. Die kurzfristige Befriedigung ist vorallem für andere oft so schädlich, dass diese ihr lebenlang psychologische Probleme haben werden. Sex an Orten, an denen man vielleicht erwischt werden könnte, nur des “Kicks” wegen, ohne den Hintergedanken, dass wir damit andere, besonders Kinder, verstören könnten, ist nicht nachvollziehbar.

Genausowenig ist auch Sex in der Küche destruktiv, wenn das Kind sich im Nachbarzimmer befindet. Die kurzfristige Befriedigung steht hier über den langfristigen Folgen, die das Kind, vielleicht in Form eines Traumas, haben wird.

Diese Suche nach der kurzfristigen Befriedigung wird sich genauso steigern, wie sie sich auch in der Ernährung steigern kann: Zuerst ist es eine Tafel Schokolade, aber die “macht uns irgendwie nicht zufrieden” (alleine da können wir unsere destrukiven Gefühle schon erkennen), weshalb wir zur Nächsten und dann wieder zur Nächsten greifen. Die Ursache, also die Unzufriedenheit, bleibt bestehen. Genauso können wir beim Sex hunderte, indische Stellungen ausprobieren und uns am Ende mit dem Kopf nach unten von der Decke hängen lassen: Das Störgefühl, die Unzufriedenheit, bleibt und somit auch das Gefühl des “ich will mehr!”.

“Wenn du ein Problem hast, versuche es zu lösen. Kannst du es nicht lösen, dann mache kein Problem daraus.”

– BuddhaBegierde und Anhaftung

Begierde ist eine weitere Motivation, die ebenfalls destruktiv ist. Mit unserem Sexualpartner etwas zu erleben, das uns erfüllt oder glücklich macht, erscheint uns vielleicht positiv, ist allerdings eine ständige Suche, die Leid und Probleme schafft. Alleine der Gedanke oder die Absicht “etwas, das mich zufrieden macht ist schon schädlich, da es eine Illusion ist. Nichts, was von Außen kommt, macht uns glücklich. Auch hier richten wir den Blick wieder langfristig aus und fragen uns, ob unser aktuelles Verhalten wirklich zur Lösung unseres Problemes führt, oder ob die Lösung ganz woanders, vielleicht in uns selbst, liegen könnte, was fast immer der Fall sein wird.

Nehmen wir z.B. einmal an, dass unsere Motivation die Suche nach dem perfekten Orgasmus ist. Diese Suche wird endlos sein, denn wir werden, so zeigt es uns unsere Lebenserfahrung, immer “mehr” oder “besser” wollen. Das “perfekt” wird niemals eintreten, denn wir wissen, dass perfekt eine Illusion ist, wie es auch bei der Unzufriedenheit in uns eine Illusion ist. Wir werden von Partner zu Partner springen, auf der Suche nach der Lösung, zur Befriedigung unserer Begierde in Kauf nehmend, vielen anderen und uns selbst, weitere Probleme zu schaffen. Das ist destruktiv, kurzsichtig und entspricht nicht buddhistischen Lehren.

Selbsttäuschung

Vorallem unter homosexuellen Paaren, aber natürlich auch unter heterosexuellen Paaren, herrscht immer noch die von den Altgriechen stammende Auffassung, dass ein junger Körper “vollkommen” sein muss, was die westliche Kultur auch heute noch zu Höchstleistungen antreibt, die vorallem bei Männern sexuelle Befriedigung auf der einen, aber auch ungelöste Unzufriedenheit auf der anderen Seite, auslöst.

Sex aus dem ausschließlichen Grund der Attraktivität des Anderen ist destruktiv. Wir spüren vielleicht das Verlangen, den Körper des Anderen berühren zu wollen, oder weil wir die Vereinigung zweier Körper mit etwas verbinden, was uns die Pornoindustrie oder vielleicht auch einige spirituelle Lehren vermitteln. Wir glauben, dass wir dadurch etwas erreichen würden, dass uns langfristig befriedigen und aus unserem Leid, unserer Unzufriedenheit, vielleicht der Unzufriedenheit mit uns selbst, samt unserem Körper, holen könnte. Auch das ist wieder eine Illusion und pure Selbsttäuschung, da wir einen Grund vorschieben, von dem wir eigenlich wissen könnten, dass er nur ein Symptom ist.

Der Buddhismus vermittelt, dass die Übertragung von körperlichen Eigenschaften auf die geistigen Eigenschaften auf einer Illusion aufbaut. Tatsächlich hat körperliche Attraktivität nichts mit einem gesunden Geist zutun, wohingegen ein gesunder Geist auch einen attraktiven Körper formen kann, allerdings ohne Störgefühle, also auch ohne das Verlangen, damit etwas Besonderes erreichen zu müssen, dass uns aus den Störgefühlen herausholen könnte. Wenn diese Störgefühle nicht mehr existieren oder nicht mehr aufblühen können, dann gibt es schließlich auch keinen Grund mehr, sie durch schädliches Verhalten zu kompensieren.

Ein buddhistisches Fazit

Vielmehr ist es also doch gerade die Erkenntis, dass wir nicht perfekt sind, dass unser Körper lebt, also auch einmal stinkt und nicht so aussieht, wie aus einem Magazin, die uns auch die Erlaubnis und Akzeptanz bietet, unseren Partner mit diesen Eigenschaften zu akzeptieren und Sex somit nicht zu idealisieren.

Falsche Erwartungen in Bezug auf körperliche Merkmale werden uns langfristig genauso enttäuschen, wie auch die die Erwartungen an Sex, der uns immer wieder die Befriedigung geben soll, die wir verlangen, als ob unser Partner ein Objekt wäre, von dem wir immerwährende Lust und Befriedigung unserer Bedürfnisse erwarten könnten. Unser Partner ist kein Objekt, wir können ihn nicht besitzen. Er ist ein Mensch mit Gefühlen, so wie wir auch. Wenn wir beginnen unseren Partner besitzen zu wollen, dann hegen wir vielleicht Erwartungen, die wir auch an unser Handy haben:

Es muss immer funktionieren, um uns zufrieden machen zu können.