Die Burnout Generation:Wie du dir Grenzen setzt

Die Burnout Generation: Wie du dir Grenzen setzt

Es ist gerade Montagabend. Ich weiß, was ich noch tun muss, doch das Wort “muss” stört mich schon wieder. Als ehemaliger “Burnouter” weiß ich, dass das Wort mir nur vermittelt, dass ich etwas tun muss. Dass mein Gehirn gerade in einem, wie es im Englischen so schön heißt “state of mind”, also eine Art Geisteszustand ist, in dem es mehr, mehr, mehr will. Und natürlich noch mehr. Ein typisches Zeichen für Burnout.

Wie ich vor einigen Jahren aus einem schädlichen Leistungskreislauf ausgebrochen bin und wie ich immer wieder an neuen Lektionen lerne, daran wachse und viel weniger muss, dafür mehr darf, zeige ich dir in diesem Artikel.

Lektionen aus meinem Burnout

Ich habe noch nie von Studien oder Erfahrungen gehört, die belegt haben, dass durchgehende Angespanntheit, der Zustand des Ausgebranntseins, das ständige “unter Strom stehen” gesundheitlich, wirtschaftlich oder sozial irgendwie sinnvoll seien. Ganz im Gegenteil weiß jeder, wie gefährlich diese Einstellungen und Verhaltensweisen sein können.

Doch es zu wissen, eine Studie wie diese zu lesen, Menschen zu sehen, die sich selbst zerstören, reicht leider nicht aus. Wir müssen wissen, wie wir es verändern können.

Hier ein paar Vorschläge, wie du aus gestörten Verhaltens-/ und Denkweisen, die zu einem Burnout führen, ausbrechen kannst:

1. Lerne, deine Identität nicht durch deinen Job zu finden

  • Frage dich: “Wer wäre ich, wenn ich diesen Job nicht mehr hätte?” — Sind da schädliche Verhaltensmuster oder Zustände, die du ungerne loslassen möchtest? Vielleicht redest du ja tatsächlich gerne darüber, wie schrecklich die Kollegen sind und wie anstrengend dein Job ist?

  • Verstehe, dass da noch etwas anderes in dir steckt, als die Probleme, Sorgen, der Kummer und das Leid, die durch deinen Job entstehen.

  • Höre auf, dich zu beklagen und erkenne, dass du immer drei Möglichkeiten hast, eine Situation anzugehen: Verändern, verlassen, akzeptieren — alles außerhalb davon, erhält deine Probleme und dein Leid.

2. Erkenne, dass ausschließlich DU über dein Verhalten bestimmen kannst

  • Verhalten und Gedanken konditionieren sich, d.h. sie werden zur Normalität; irgendwann nehmen wir also selbst gestörtes und selbstschädigendes Verhalten nicht mehr als gestört und selbstschädigend wahr, sondern als normal.

  • Absolut niemand kann dir dieses Verhalten wieder abnehmen, denn um eine neue Gewohnheit zu verfestigen musst du die schädlichen Gewohnheiten erkennen und selbstständig ändern; andere gewöhnen sich nämlich auch an dein Verhalten und werden es als normal ansehen.

  • Erwarte Widerstand von dir selbst und anderen. Erwarte, dass sich sowohl dein Gehirn, als auch die Erwartungen anderer gegen dein neues Verhalten sträuben werden. Doch sowohl dein Gehirn, als auch die anderen, werden sich daran gewöhnen, wie sie es schon beim schädlichen Verhalten getan haben.

3. Entscheide dich zwischen “Verdammt, ja!” und “Nein”

  • Ein “ja” mit dem Hintergrund eines “nein” ist in Wahrheit voller Angst. Wenn wir etwas zustimmen, was wir nicht wollen, haben wir Angst. Wir haben Angst, andere oder uns selbst zu enttäuschen. Mit “uns selbst” meine ich die Muster, die wir höchstwahrscheinlich in unserer Kindheit aufgebaut haben.

  • Hatten unsere Eltern hohe Erwartungen an uns? Erwarten wir noch heute, als Erwachsene, dass sie stolz auf uns sind und übertragen dies auf Vorgesetzte, Kollegen oder andere? Erwarten wir die Anerkennung, die wir vielleicht niemals bekommen haben, uns aber selbst geben können?

  • Wenn du zu einer Sache nicht “verdammt, ja!” sagst, dann ist es ein “nein”. Etwas dazwischen gibt es nicht. Dabei spielst du mit tiefen Ängsten, die du entweder bewusst oder auch nicht spürst. Doch du wirst es spüren.

4. Entscheide dich für sozial, nicht für das, was das Internet sozial nennt

  • Soziale Netzwerke haben nur wenig mit dem zutun, was der Begriff eigentlich meint. Soziales Verhalten, durch das u.a. soziale und emotionale Intelligenz entsteht, also die Voraussetzungen für ein Leben miteinander, bedarf direkter Interaktion.

  • Tristan Harris, der frühere Ethikberater von Google, sagte in einem Interview: “Diese Unternehmen sind auch in einem Nullsummenrennen für unsere endliche Aufmerksamkeit gefangen, die sie verdienen müssen, um die Billionenunternehmen zu bleiben, die sie heute sind.”

  • Sei in der Benutzung strikt. Richte dir feste Zeiten ein. Sei dir bewusst, dass du definitiv abhängig bist. Soziale Netzwerke regen unsere Dopaminproduktion an und verfälschen somit unseren Hormonhaushalt. Wir nehmen Ablenkungen, Konzentrationsprobleme und reale, soziale Konflikte in Kauf, um den nächsten “Kick” zu bekommen.

  • Der Bestsellerautor und Life-Hacker Tim Ferriss schaltet abends nach dem Essen sein Handy auf Flugmodus. In seinem Email-Postfach liegen ca. 330.000 Emails, die niemals beantwortet werden.

  • Richte dir ein zusätzliches Handy ein. Benutze ein Handy für die “On-Time” und ein weiteres für die “Off-Time”. In der Off-Time benutzt du dein Handy nur für Dinge, die dein Gehirn nicht fordern, sondern entlasten, wie z.B. Notizen, Musik, Meditation, Podcasts usw.

5. Mache dich frei!

  • Angst ist, wie schon angesprochen, ein Motor dafür, dass wir Dinge tun, die wir möglicherweise nicht wollen. Spare dir deshalb Geld an, mit welchem du 3–6 Monate ohne Job leben könntest.

  • Gehe andere Wege. Zuerst äußerlich, z.B. zur Arbeit oder zum Supermarkt. Unterschätze diese Übung nicht. Sie vermittelt deinem Gehirn, dass du die Steuerung über dein Leben hast!

6. Richte dir eine “Ich-Zeit” ein

  • Jeder hat große oder kleine Passionen, also Dinge, die einen aufblühen lassen und entspannen.

  • Übe dich in PMR, MBSR, Meditation, Yoga oder einfachen Atemübungen.

  • Gönne dir eine Massage.

7. Lege Wert auf deinen Schlaf

  • Schalte 30 Minuten vor dem Schlaf alle Geräte mit Bildschirm aus.

  • Benutze Ohrstöpsel oder Musik, um Geräusche zu verdrängen.

  • Trage eine Schlafmaske, denn selbst im Schlaf signalisiert Licht deinem Gehirn, dass es nun aufwachen muss.

Wahrscheinlich sind viele dieser Dinge nicht neu für dich, doch ich hoffe trotzdem, dass du etwas mitnehmen konntest. Ich arbeite immer wieder selbst an meinen Gewohnheiten. Ich verwerfe schädliche und baue gesunde Bausteine ein. Ein Burnout, eine Depression oder andere psychische Krankheiten, lassen nicht nur unser Gehirn altern, sondern auch unseren Körper. Beide sind direkt miteinander verbunden.

Achte deshalb auf beide Seiten und unterschätze nicht die Macht der Gewohnheiten. Wir gewöhnen uns an alles, an das Negative und das Positive. Es ist allerdings unsere eigene Entscheidung, für welche Seite wir uns entscheiden.

Fazit: Es gibt Lösungen bei einem Burnout

Ein Burnout ist kein Endziel. Es ist meistens eine Lehre, eine Zwischenstufe. Finde die Lehren für dich, die du ziehen musst. Und oft ist es sogar das größte Opfer, das wir hier erbringen müssen, um uns aus der Schlinge des Burnouts zu befreien.


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