Grautöne

Als ich vor 3.5 Jahren meine Festanstellung beendete, meine Wohnung kündigte und alles, bis auf einen Rucksack mit dem Notwendigsten verkaufte, unterlag ich der Illusion, mein Leben würde nun schlagartig besser werden. Ich war mir zwar den Aufgaben bewusst, sonst hätte ich es wohl keine 3.5 Jahre ohne Arbeitslosengeld, festes Gehalt und teilweise sogar ohne Krankenversicherung, auf einem Roller auf Bali sitzend, ausgehalten. Doch ich war mir sicher, alles würde sich nun zum positiven wenden. Für immer.

Stattdessen kamen natürlich neue Herausforderungen auf mich zu. Schlimme Existenzängste, die ich überwinden musste. Geldprobleme. Sozialer Entzug. Strukturelle Veränderungen meines Lebens.

Ich war nicht meine vorherigen Probleme los, in dem Job und in dem Leben, in dem ich so unglücklich war. Mir wurden lediglich andere Probleme gereicht, welche, die mir erträglicher vorkamen, im Austausch gegen das Leben, das ich nun führte.

Ich tauschte lediglich die Farbe meines Lebens. Es war weniger schwarz, aber nicht weiß. Und es wird niemals weiß werden. Es werden immer neue Herausforderungen und Entscheidungen auf mich zukommen. Mit jedem Schritt, den ich gehe. Das ist befreiend. Es gibt mir eine Sicherheit, die mir niemals jemand nehmen kann:

Alles, was du tust, liegt in deiner Hand. Nichts davon, wird dich unendlich glücklich machen. Es werden neue Probleme auftauchen. Neue Grautöne, manchmal auch Schwarzes. Aber zumindest hast du nun, nachdem du die Illusion ewiger Befreiung losgelassen hast, die Möglichkeit, mehr Weiß in dein Leben zu holen und dich von dem Grau und Schwarz nicht mehr herunterziehen zu lassen. Denn das ist der Vertrag, den du mit dem Leben geschlossen hast.