Gottkomplex: Wieso wir unendlich unglücklich sind

 

Darwin beschreibt, dass nur die Spezies überlebt, die sich den Umständen am besten anpassen kann. Hawking erklärt, dass sich die Wahrscheinlichkeit einer „intelligenten“ Spezies, wie der Mensch, sich durch Selbstzerstörung auszulöschen steigt, je schneller ihr allgemeiner Fortschritt ist. Alle 40 Jahre verdoppelt sich die Anzahl der Menschen auf diesem Planeten. Um alle Bücher zu lesen, die es gerade auf der Welt gibt, bräuchte man mehrere tausende Jahre. Nicht diejenigen, die mit der Gesellschaft und dem Fortschritt mithalten, werden überleben, sondern diejenigen, die sich nicht anpassen. Dieser Zustand ist in der Geschichte unserer Spezies einmalig, sie widerspricht völlig unseren Genen.

Die Wissenschaften und der technische Fortschritt haben uns die komplette Welt in einem Gerät gebracht, das kleiner ist, als ein Buch. Wir können alles wissen, unser Wissen maximieren und es mit der Welt nicht nur teilen, sondern auch multiplizieren. Das ist gottgleich oder wie Nietzsche es plump beschrieb: „Gott ist tot.“ Die Kenntnisse über unsere Entstehung und die Entstehung des Universums, nehmen uns dann auch noch den Funken Glauben daran, dass es etwas Größeres, als uns selbst geben könnte. Schließlich wird unser primitives Zentrum (. ) auch noch durch kollektiven Narzissmus in sozialen Netzwerken und der Unmöglichkeit einer Generation gefüttert, die aus Enkeln von Menschen besteht, die für das fühlen, einer neurobiologischen Notwendigkeit, gefoltert oder geschlagen wurde.

So entstehen nicht nur narzisstische Egomanen, die nicht mehr fähig sind, innerhalb einer Gruppe auch nur ein Gespräch zu führen. Jeder hält sich für Gott, wird aber im nächsten Moment mit seiner Unfähigkeit konfrontiert, eine Fliege in einem 20qm großen Raum zu fangen. Wir fühlen uns vielleicht wie Gott, auf einer eigenartig rationalen Ebene, doch in Wahrheit sind wir unfähige, egoistische Wesen, die nicht einmal ihren Sexualtrieb im Griff haben.

Dieser Vergleich, zu dem wir gezwungen werden, macht uns unsere Unfähigkeit und Sinnlosigkeit bewusster, als es von der Natur eigentlich vorhergesehen ist. Ohne unseren Gottkomplex könnten wir den Vergleich nicht anstellen.

Um unseren Gottkomplex und unsere Unfähigkeit, mit der Realität umzugehen, wieder auf ein normales Plateau zu bringen, ist viel notwendig. Wir brauchen Einschränken in social-media, Arbeit an unserem Narzissmus, Arbeit an einem höheren Sinn, lernen mit Existenzängsten und dem Unbekannten umzugehen. Das ist viel Arbeit. Oder wir gehen den anderen Weg, ohne an diesen, teilweise zermürbenden Aufgaben zu arbeiten, und lieben alles, was uns begegnet, während wir trotzdem nicht destruktiv handeln. Amor fati, darüber habe ich hier bereits geschrieben.

Fast schon exemplarisch wurde ich, diesen Text auf meinem Handy durch die Stadt laufend, nicht nur fast von einer Straßenbahn überfahren, sondern habe auch den Kassenzettel verloren, mit dem ich in der Bücherei ein Buch umtauschen wollte.