Finanzielle Freiheit: Wie du reich, unglücklich und psychisch krank wirst

Der bisher unveröffentlichte Ratgeber, den keiner lesen will, weil er die unangenehme Wahrheit enthält

Bücher zu den Themen Finanzielle Freiheit, Reichtum und Erfolg dominieren seit Jahren die Bestseller Listen.

Und reihen sich damit bestens in eine der gefährlichsten Missstände der Menschen ein:

Die Psyche wird vollkommen vernachlässigt.

Der Glaube an Beständigkeit

Ich will hier gar nicht die immerwährenden Worte der “Finanzgurus” widerkäufen.

Irgendwann haben wir verstanden, wie es funktioniert und dann gehen wir ran. an die Sache. Wir nehmen die Tipps und Ratschläge und bauen sie in unser Leben ein.

Und dann kommt nach und nach genau das auf, was in allen Ratgebern vernachlässigt wird, nämlich die Stärke unserer Psyche.

Da haben wir doch tatsächlich geglaubt, eben weil es uns verschwiegen wurde, denn niemand will die Wahrheit hören, dass Versagens-/ und Verlustängste, die Rückschläge durch Fehler oder die sozialen Ängste uns keinen Dämpfer verpassen werden.

Schlimmer noch:

Unsere Erwartungshaltung blendet genau diese Widrigkeiten aus und wirft uns bei deren Eintreten noch härter zurück, als es bei deren Ausbleiben sowieso schon gewesen wäre.

Dan Millman trifft es auf den Punkt, was das dabei das Problem unseres Lebens ist:

“Wenn du nicht bekommst, was du willst, dann leidest du. Wenn du bekommst, was du nicht haben willst, dann leidest du. Du leidest sogar, wenn du genau das bekommst, was du haben wolltest nur, weil du es nicht ewig behalten kannst. Das Problem ist dein Denken. Es scheut Veränderungen, es scheut Schmerzen, es scheut die Anforderungen des Lebens und Sterbens.”

Die “Anforderungen des Lebens uns Sterbens” sind archaische und tiefe Schmerzen, auf die wir uns zwar vorbereiten können, in dem wir sie schlichtweg erwarten, die wir allerdings erleben müssen, um sie auszuhalten.

Ich kann dir z.B. davon erzählen, wie es ist, sich einen Monat lang von Bohnen und Spinat zu ernähren, weil ich kein Geld mehr hatte und, welche Ängste und Sorgen sich da im Hintergrund auftürmen.

Spürst du das gleiche Leid, das ich aushalten musste?

Du kannst es kognitiv nachvollziehen, doch du kannst es unmöglich spüren.

Du musst es selbst erleben und aushalten, ansonsten bist du wie jeder Andere auch, der davon erzählt, dass er jetzt ein Buch gelesen hat, das ihm finanzielle Freiheit verspricht, indem von der Einfachheit erzählt wird, während du einen vollen Kühlschrank und ein Dach über dem Kopf hast.

Die Unbeständigkeit des Lebens

Das Leben besteht aus Höhen und Tiefen. Solange wir nicht bereit sind, durch die Tiefen zu gehen, werden wir auch keine Höhen erfahren.

Im Folgenden ein deshalb paar Gedankenanstöße.

1. Verhaltensveränderungen sind dualistisch

Für mich habe ich dieses universelle Gesetz aus der Verhaltenstherapie auf das Leben übertragen. Hier wird Folgendes als Grundlage über Verhaltensveränderungen gesehen:

Eine langfristig positive Veränderung bedeutet immer, eine kurzfristig negative Erfahrung.

Beispiele:

Du möchtest Gewicht verlieren und sportlicher werden?

Dann musst du deine Essgewohnheiten so radikal verändern und so sehr über deine körperlichen Grenzen gehen, dass dein Körper einen Grund dafür hat.

Du möchtest finanziell frei werden?

Dann musst du über Jahre hinweg das tun, was die Wenigsten tun und bereit sein, durch Täler voller Ängste, Sorgen und Hoffnungen zu gehen, durch die die Wenigsten bereit sind zu gehen.

Du trinkst gerne Alkohol, isst viel Ungesundes und treibst keinen Sport?

Deinen Körper wird das nicht freuen und du wirst langfristig Probleme mit der Lunge, der Leber, deinem Herz und deinem Gewicht bekommen.

Du gibst gerne Geld für unnötige Dinge aus und bist nicht bereit, auf fast alles zu verzichten?

Dann wirst du immer für die unnötigen Dinge arbeiten, anstatt für deine Altervorsorge, deinen Ruhestand und deine Hobbys.

“Die Zukunft überkommt uns alle mit Stürmen des Unbekannten. Der Einzige Weg ist mitten hindurch.”

– Ryan Holiday

Tolle Hörbücher, wie z.B. “Das Hindernis ist der Weg” von Ryan Holiday findest du bei Audible. Ich höre etwa vier Hörbücher pro Monat und kann mir Audible aus meinem Leben gar nicht mehr wegdenken.

2. Falsche Erwartungshaltungen

Unser Gehirn ist auf Erwartungen programmiert:

Unser Verstand spielt im vorhinein das durch, was wir tun wollen.

Wenn wir aufstehen und ins Bad gehen, dann gehen wir voher den Weg in unserem Kopf zum Bad durch.

Sobald wir im Bad angekommen sind, sind wir zufrieden, da uns unser Gehirn mit Dopamin, einem Glückshormon, belohnt.

Es gibt uns sozusagen ein Leckerlie.

Wenn wir einen Weg in unserem Leben gehen und auf Probleme stoßen, die wir nicht erwartet haben, dann sind wir unzufrieden, da wir nicht mit den entsprechenden Glückshormonen versorgt werden.

Wir fallen zurück, geben auf, werden depressiv und unglücklich.

“Sobald du unangenehme Nachrichten nicht als negativ, sondern als Beweis für ein Bedürfnis nach Veränderung annimmst, wirst du nicht davon geschlagen. Du lernst davon. Es geht darum, wie du Fehlern begegnen kannst.”

– Bill Gates, Gründer von Microsoft

Damit meine ich nicht, dass wir schon zu Beginn Negatives erwarten müssten, um im Endeffekt nicht enttäuscht zu werden.

Wenn wir allerdings lernen, in der Gegenwart zu leben und keine Erwartungen an die Zukunft richten, die noch nicht eingetreten ist, sondern unsere aktuelle Energie auf den Moment richten, dann sind wir sozusagen erwartungsfrei, oder wie Sokrates sagte:

“Bedenke, dass die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind, dann wirst du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein.”

3. Die Psyche ist stärker als unsere Wünsche

Unsere Psyche befindet sich in einem ständigen Auf und Ab.

Manche Menschen spüren diese Bewegungen gar nicht mehr, was zeigt, dass sie sich schon in der “roten Zone” befinden, in der sie sich nur noch im Ausnahmezustand befinden.

Die “Disposition” zeigt unsere ständig wechselnde Anfälligkeit auf äußere Widrigkeiten an.

Die ist nicht planbar.

Es kann sein, dass du dir vornimmst, morgen einen Marathon zu laufen und dir deine Emotionen und Dispositionen dann einen Strich durch die Rechnung machen.

Sobald dann noch Ängste, z.B. Verlust-/ bzw. Versagensängste, hinzukommen, mit denen die Wenigsten adäquat umgehen können, kippt die Psyche meistens sowieso um 180 Grad.

Verlustängste greifen direkt unsere Existenz an. Wir glauben, dass wir uns tatsächlich in Lebensgefahr befinden würden. Stresshormone, wie Adrenalinund Noradrenalin, werden ausgeschüttet und legen die Psyche und den Körper lahm.

“Das Geheimnis des Lebens ist kein Problem, das gelöst werden kann, sondern eine Realität, die erfahren werden muss.”

– Alan Watts

Diese Realität zu vermeiden, die Watts hier anspricht, bringt uns allerdings nicht weiter.

Wir müssen durch die Sümpfe der möglichen Verzweiflung gehen und nicht glauben, dass wir durch ein bestimmtes Verhalten z.B. Unglück vermeiden könnten.

Ein Beispiel dafür ist die Geschichte eines Mannes, der alle zehn Sekunden in die Hände klatschte.

Als er gefragt wurde, was der Grund für dieses Verhalten sei, sagte er:

“Um die Elefanten zu verscheuchen.”

“Abar es sind doch gar keine Elefanten hier?”

Darauf er: “Na also! Sehen Sie?”

Der Philosoph und Psychologe Paul Watzlawick treibt in “Eine Anleitung zum Unglücklichsein” die Vermeidung vieler Menschen auf die Spitze:

“Aber auch zu Fuße gehen schließt viele Gefahrenmomente ein, die sich dem forschenden Blick der Vernunft bald enthüllen. Taschendiebe, Auspuffgase, einstürzende Häuser, Feuergefechte zwischen Bankräubern und der Polizei, weißglühende Bruchstücke amerikanischer oder sowjetischer Raumsonden — die Liste ist endlos, und nur ein Narr wird sich diesen Gefahren bedenkenlos aussetzen. Da bleibt man besser daheim. Aber auch dort ist die Sicherheit nur relativ: Treppen, die Tücken des Badezimmers, die Glätte des Fußbodens oder die Falten des Teppichs, oder ganz einfach Messer, Gabel, Schere und Licht, von Gas, Heißwasser und Elektrizität ganz zu schweigen.”

4. Unterschied zwischen “brauchen” und “benötigen”

Da viele diese Finanzratgeber lesen, die sich noch in ihrer Entwicklungsphase befinden, in der sie glauben, dass sie derjenige wären, der “Ich” sagt, verwechseln sie auch “brauchen” und “benötigen”.

Unser Ego gibt z.B. vor, dass es Reichtum und Wohlstand benötigt, oder wie Buddha sagte:

“Der Mensch leidet, weil er Dinge zu besitzen und zu behalten begehrt, die ihrer Natur nach vergänglich sind.”

Wenn wir mit unserem Ego identifiziert sind, das uns ausschließlich Probleme schafft, dann glauben wir auch, dass wir die Dinge bräuchten, die uns glücklich machen.

Wir verwechseln “brauchen” mit “benötigen” und glauben, dass die Dinge, die wir besitzen, tatsächlich überlebensnotwendig wären.

Wenn wir etwas “brauchen”, dann bedeutet das nicht, dass wir es wirklich brauchen, sondern unser Ego vorgibt, dass wir es bräuchten, um glücklich zu sein.

Der Medium-Blogger Charles Chu schrieb in seinem Artikel “Financial Freedom: The Missing Link”:

Frage dich selbst: “Wie gut es für mich sein wird, diese Sache in meinem Leben zu haben?” In anderen Worten: Die brauchen/benötigen Abgrenzung geht direkt in das Herz der Fragen über unsere Identität, Ethik und den Sinn des Lebens. Du kannst mit Geld nicht richtig umgehen, solange du dir diese Fragen nicht ehrlich beantwortet hast.”

Du wirst keinen Menschen finden, der Geld wirklich als etwas betrachtet, das ihn glücklich macht. Es sind ganz andere Dinge, die dafür notwendig sind, die viele Reiche manchmal kurz vor ihrer Depression oder ihrem Suizid entdecken.

Glaubst du das nicht, dann steckst auch du in der Illusion, in der dir dein Ego sagt, dass ich Unrecht habe.

Gerade dann solltest du dir die Fragen stellen, die du dir bisher wahrscheinlich noch nicht gestellt hast und die Situationen erleben, die du bisher wahrscheinlich noch nicht erlebt hast, um die Illusionen aufzulösen, die dir Leid und Unglück bringen werden, was du wahrscheinlich ebenfalls noch nicht erlebt hast, weshalb du es erleben musst, um es zu glauben.