Dualismus: 35 Störgefühle, die durch Trennung entstehen

Teil 2 der Artikelreihe “Der Wahnsinn des Ich”

Durch Trennung entsteht Dualismus. Wir glauben, dass es ein Ich gäbe. Das Ich, das durch das Ego geschaffen und aufrechterhalten wird, schafft sich immer wieder Feinde im Äußeren, da es das Gefühl der Getrenntheit braucht. Ohne dieses Gefühl kann das Ego nicht existieren. Ohne das Gefühl des Ich auf der einen und des Du/Ihr/die anderen auf der anderen Seite, gibt es kein Ego, gibt es keine Unbewusstheit mehr.

Im ersten Artikel der Reihe “Die Illusion des Ich” hast du gelernt, dass Unbewusstheit entsteht, wenn du auf die Dinge, die in deinem Leben passieren, einfach nur reagierst. Du hast gesehen, dass unser Gehirn ausschließlich nach dem Prinzip “Schmerzvermeidung und Effekthascherei” lebt, wonach sich unser Leben richtet.

In diesem Artikel möchte ich dir nun zeigen, wie durch Unbewusstheit ein Dualismus entsteht, durch den wir uns von allem abspalten, da unser Ego, also der unbewusste Teil in uns, diese Abspaltung benötigt.

Was ist Dualismus?

Dualismus ist ein gedankliches Konzept, das ausschließlich beim Menschen bestehen kann, da wir dazu in der Lage sind, ein Ego zu erschaffen. Dadurch entsteht immer wieder das unentbehrliche und chronische Gefühl der “bösen Anderen”.

Ohne dieses Konzept des Dualismus würden wir im Einklang mit uns selbst, den Menschen, Tieren und Pflanzen auf dieser Welt leben. Wir wären nicht frei von Leid, denn das ist unmöglich, aber wir würden viel weniger leiden. Stattdessen schaffen wir uns immer wieder Probleme, die wir eigentlich verhindern und auf die wir verzichten könnten.

Da uns unsere Unbewusstheit nicht bewusst ist, ist uns auch der Dualismus nicht bewusst, mit dem wir uns von Allem abspalten. Dadurch reagieren wir auf die Unbewusstheit anderer ebenfalls unbewusst und erhalten unsere Unbewusstheit.

Die folgenden Konstrukte entstehen ausschließlich durch Dualismus. Laut dem Buddhismus gibt es von diesen Konstrukten, auch Störgefühle genannt, insgesamt 84.000. Sie stärken das Ego und in der Konsequenz auch unsere Ängste und unser Leid. Dualismus ist selbstzerstörerisch und selbstzerstörerisches Verhalten führt immer dazu, dass wir auch andere Menschen, Tiere oder Pflanzen zerstören. Wer bewusst lebt, der hat kein Interesse daran, anderen Menschen, oder Tieren oder der Umwelt zu schaden.

Unsere Psyche projezieren wir nach außen. Wenn wir innerlich zerstört sind, dann zerstören wir auch alles Äußerliche. Wenn wir innerlich aufgeräumt sind, dann achten wir auch auf das Äußere.

Ich stelle dir nun die wichtigsten und häufigsten Störgefühle vor, sodass du sie im Alltag auflösen kannst. Die Störgefühle kannst du dir hier noch einmal downloaden oder ausdrucken, sodass du sie “abarbeiten” kannst, indem du dir sie z.B. täglich ansiehst oder notierst, wie du damit vorangekommen bist.

Ein Beispiel dazu von einem meiner Klienten findest hier. Er hat die entsprechenden Stellen in rot (starker Lernbedarf), orange (mittlerer Lernbedarf) und grün (kein Lernbedarf) eingeteilt. Alle 14 Tage überprüft er seinen Fortschritt, was ich für eine sehr gute Methode halte. Das beste Programm zur Online-Bearbeitung von PDFs findest zu hier (Google Chrome), für alle weiteren Browser & Plattformen empfehle ich dir diese Seite.

Entstehung und Auflösung von Dualismus

Sollten dir die Alternativen eigenartig erscheinen, dann denke erst einmal nicht weiter darüber nach, sondern erkenne einfach nur, dass du vielleicht noch nie darüber nachgedacht hast. Im Anschluss zeige ich dir dann ganz deutlich an einigen Beispielen, wieso es keinen Dualismus gibt.

Anhand des ersten Beispiels, der Rechthaberei, erkennst du, dass auf der einen Seite das ICH, also das Ego, steht und auf der anderen Seite das DU, also etwas, das sich außerhalb von uns befindet. Diese Spaltung, diese Getrenntheit, erhält das Ego. Ohne diese Spaltung kann es nicht existieren.

1. Rechthaberei

Ego: “ICH habe Recht und DU hast Unrecht.”

Alternative: “Niemand hat Recht. Recht ist lediglich ein gedankliches Gebilde. Recht ist immer eine Betrachtungsweise, weshalb alle Recht und alle Unrecht haben.”

2. auf Meinung beharren

Ego: “MEINE Meinung ist richtig und DEINE Meinung ist falsch.”

Alternative: “Ich lasse dir deine Meinung, denn ich möchte dich nicht vom Gegenteil überzeugen. Eine Meinung macht uns individuell und einziartig und ich kann jemanden nicht alleine durch meine Meinung umstimmen. Ich höre mir allerdings gerne die Meinung anderer an und kann meine Einstellung dadurch hinterfragen. Jede Meinung ist grundsätzlich weder richtig noch falsch, ansonsten wäre es keine Meinung, sondern eine Tatsache.”

3. eigene Bedürfnisse über die anderer stellen

Ego: “MEINE Bedürfnisse sind wichtiger, als DEINE Bedürfnisse.”

Alternative: “Wenn ich meine Bedürfnisse über die des Anderen stelle, dann leidet derjenige. Ich möchte nicht, dass jemand leidet, der mir wichtig ist. Stattdessen kann ich mein eigenes Leid erkennen, es dadurch schwächen und denjenigen das tun lassen, was er für richtig hält.”

4. Wut/Hass

Ego: “DU sollst genauso leiden, wie ICH leiden musste.”

Alternative: “Der andere leidet schon, ich muss ihm nicht noch mehr Leid zufügen. Er leidet, da er mir ansonsten keinen Schaden zugefügt hätte. Dahinter stecken aber die gleichen Eigenschaften, die ich auch an mir habe, nämlich das Bedürfnis nach Liebe, Anerkennung und Geborgenheit.”

5. Neid

Ego: “ICH möchte das haben, was ANDERE haben, um zufrieden zu sein.”

Alternative: “Ich weiß, dass hinter Materiellem, Erfolg und Ruhm, Schmerzen und Angst stecken, da der andere leidet und dieses Leid zu kompensieren versucht. Ich verspüre Mitgefühl, denn derjenige scheint sehr viel zu leiden.”

6. Eifersucht

Ego: “ICH möchte die Anerkennung, die ANDERE auch erhalten.”

Alternative: “Ich weiß, dass Eifersucht dadurch entsteht, dass ich Angst habe, den Menschen verlieren zu können, der die Anerkennung gibt. Jeder ist allerdings für sich selbst verantwortlich und niemand besitzt jemand anderen. Wir können nichts besitzen, was mit uns verbunden ist. Kontrolle führt immer wieder dazu, dass wir leiden. Außerdem verändert sich nicht mein Wert, wenn ich verlassen werde, auch wenn es sich so anfühlt. Ich wünsche andere so viel von dem, worauf ich eifersüchtig bin, dass es unrealistisch und kompliziert für denjenigen wird.”

7. Angst

Ego: “ICH habe Angst vor allem, was AUßERHALB von mir ist.”

Alternative: “Nichts ist außerhalb von mir, sondern alles ist irgendwie mit mir verwoben. Meine Zukunft ist die Konsequenz dessen, was ich heute tue oder auch nicht tue, womit sie ein Teil von mir ist. Ich kann keine Angst vor meiner Zukunft haben, denn ich bin meine eigene Zukunft. Angst vor Dingen, die sich meiner Kontrolle entziehen, wie Tod, Verlust eines Menschen, Arbeitslosigkeit, Armut und Krankheit, ist ebenfalls Teil meiner Zukunft. Außerdem kann ich sehr vieles durch die Handlungen und Gedanken in der Gegenwart steuern. Das Jetzt ist die einzige Zeit, in der ich Kontrolle haben kann.”

8. Größenwahn

Ego: “ICH bin wichtiger, als ANDERE.”

Alternative: “Ich mache mir bewusst, dass ich genauso wie alle andere Menschen auch, lediglich ein Nachfahre von Affen bin, der sich auf einem kleinen Felsbrocken befindet, der sich um einen rießigen, brennenden Ball dreht, der sich in einem Universum befindet, dessen schiere Größe ich mir nicht vorstellen kann. Stattdessen übe ich mich in Demut. Ich übe mich darin zu erkennen, dass ich nicht so wichtig bin, wie ich glaube zu sein. Ich erkenne, dass das, was ich bin und das, was ich besitze, keinen Wert in einer Welt halt, in der alles vergänglich ist.”

9. Ruhm, Image und Bekanntheit

Ego: “ICH will berühmt sein, sodass ANDERE mich mögen.”

Alternative: “Ruhm, Image und Bekanntheit sind lediglich der Versuch, besser als andere zu sein und somit von denen gemocht zu werden, die sich in der Zukunft dadurch wertloser fühlen. Sie sind lediglich das Konstrukt aus meinem inneren Mangelgefühl, das eine Illusion ist. Sobald ich erkannt habe, dass dies eine Illusion ist, löst sich nicht nur das Mangelgefühl auf, sondern auch der Bedarf nach Befriedigung in der Zukunft. Ich erkenne nicht nur, dass die Lust nach Ruhm, Image und Bekanntheit lediglich ein Versuch war, meinen Wert ausgleichen zu können, sondern auch, dass das an sich eine Illusion ist. Niemand, der bewusst ist, wird mich dadurch als wertvoller, als sich selbst, erachten. Ich erhalte lediglich Anerkennung von Menschen, die auch unbewusst sind, doch da diese auch in einer Illusion leben, ist diese Anerkennung ebenfalls eine Illusion.”

10. Streitlust

Ego: “ICH will mit ANDEREN streiten.”

Alternative: “Ich weiß, dass der Bedarf nach Streit lediglich daher kommt, dass ich glaube, dass andere mein Leid aufnehmen würden, wenn ich mit ihnen streite. Das ist natürlich nicht so, sondern eine Illusion. Ich leide weiterhin und der andere leidet zusätzlich. Ich habe dadurch nicht nur dem anderen geschadet, sondern auch mir selbst. Stattdessen sehe ich mir den Grund an, weshalb ich streiten möchte und erkenne, dass ich der Einzige bin, der dieses Leid auflösen kann. Gewaltfreie Kommunikation dagegen ist kein Streit, sondern konstruktiver Austausch von Gedanken und Gefühlen, mit dem Zweck, für beide Parteien eine Lösung zu finden und nicht, jemandem aus bloßer Unbewusstheit zu schaden.”

11. Egozentrik

Ego: “ICH beziehe alles, was ANDERE sagen oder tun auf mich.”

Alternative: “Ich übe mich in Empathie, indem ich versuche zu erkennen, dass andere fast ausschließlich aus eigenem Leid etwas tun oder sagen. Hinter dem Leid anderer steckt ein Bedürfnis nach Liebe, welches ich auch in mir habe. Wenn ich dieses Gefühl in mir zulasse, dann lasse ich gleichzeitig zu, dass dieses Gefühl auch bei anderen sein darf. Wir schwingen ständig mit anderen im Einklang. Wenn wir wütend sind, dann reagieren andere auf unsere Wut, da sie mit uns verbunden sind. Wenn wir Liebe und Empathie in uns tragen, dann werden andere uns diese Liebe und Empathie ebenfalls geben. Wir können sie nicht bei anderen entfachen, bevor wir sie nicht auch bei uns entfacht haben.”

12. Egoismus

Ego: “ICH stelle mich in den Mittelpunkt, auch wenn ich dafür ANDEREN schaden muss.”

Alternative: “Ich übe mich in Schweigen und Demut. Ein lauter Geist ist auch laut in Worten. Wenn ich meinen Geist ruhigstellen kann, z.B. durch Beobachten meiner Gedanken und Achtsamkeit, dann werden auch meine Worte weniger. Wenn mein Geist ruhiger wird und nicht mehr den Bedarf hat, sich über andere zu stellen, da er erkennt, dass er mit anderen verbunden ist, dann löst sich Egoismus nach und nach auf.”

13. Schuld

Ego: “ANDERE machen MIR mein Leben schwer.” bzw. “ICH (Ego) mache MIR mein Leben schwer.”

Alternative: “Obwohl ich jemandem die Schuld gebe, schade ich mir im Endeffekt am meisten, denn ich leide dadurch nur noch mehr. Ich halte an den Ursachen der Schuld fest, anstatt sie zu lösen. Ich danke dem Verursacher, der diese Schuldgefühle in mir ausgelöst hat, denn er hat mich gelehrt, mit schwierigen Situationen umzugehen.” bzw. “Ich übernehme die volle Verantwortung für mein Leben. Alle Entscheidungen, die ich treffe, treffe ich aus der vollen Überzeugung heraus, dass sie richtig sein werden. Ich akzeptiere Fehler, die da kommen werden genauso, wie auch Erfolge.”

14. Materialismus

Ego: “ICH muss Dinge besitzen, da ICH (Ego) sonst nichts Wert bin.”

Alternative: “Ich erkenne, dass Dinge mich immer nur kurzfristig glücklich machen und ich unglücklich werde, wenn sie nicht mehr da sind. Ich weiß, dass Dinge nicht geliebt, sondern benutzt werden können und Menschen unglücklich werden, wenn sie Dingen ihre Liebe geben.”

15. Narzissmus

Ego: “ICH bin wertvoller als ANDERE.”

Alternative: “Sobald mich narzisstisches Verhalten bei anderen stört (Projektion), erkenne ich, dass ich dieses Verhalten selbst an mir habe. Ich erkenne, dass ich mit demjenigen verbunden bin, der mich darauf aufmerksam gemacht hat, dass ich selbst narzisstisch gehandelt habe. Ich bin demjenigen dankbar und vermeide meinen Narzissmus. Stattdessen erkenne ich, dass ich genauso Macken, Fehler und Kanten habe, wie jeder andere Mensch auch. Darin sind wir uns alle gleich, niemand ist davon ausgenommen. Ich werte andere nicht ab, die an meiner Grandiosität zweifeln, sondern erkenne meine Wut, die darauf folgt. Ich nehme das Schöne, Wahre und Gute wahr, das sich außerhalb von mir befindet und achte nicht andauern darauf, was in mir selbst besonders und herausragend ist.”

16. Rassismus

Ego: “ICH bin wertvoller als ANDERE einer bestimmten Rasse.”

Alternative: “Es gibt keinen Unterschied zwischen mir und den anderen. Das, was ich als Unterschied wahrnehme, ist kein Unterschied, sondern Individualität. Diese Individualität ist das, was uns einziartig macht. Ich erkenne, dass ich das Bedürfnis habe, dass meine Individualität auch erkannt wird, weshalb ich mir selbst die Anerkennung gebe, die ich vielleicht bei anderen suche. Anstatt Menschen abzuwerten, die nicht so sind wie ich, erkenne ich, dass wir alle gleich sind: Wir bestehen alle aus Fleisch, Blut und Knochen und wir haben alle die gleichen Bedürfnisse, nämlich Liebe und Dankbarkeit. Ich gebe mir selbst die Liebe, die ich von meinen Eltern vielleicht nicht bekommen habe, indem ich mich in meiner Individualität genauso akzeptiere, wie andere auch.

17. Krieg

Ego: “ICH (wir) kämpfen gegen ANDERE.”

Alternative: “Anstatt gegen Menschen zu kämpfen, die mit mir mehr gemeinsam haben, als ich vielleicht glaube, erkenne ich, dass das Bedürfnis nach Krieg nur durch Getrenntheit kommt. Es gibt kein wir auf der einen und die anderen auf der anderen Seite, sondern lediglich ein kollektives wir alle. Dazu zählen alle Menschen, niemand wird ausgeschlossen. Wir sind die einzige Spezies, die sich gegenseitig tötet, was daran liegt, dass wir glauben, dass Dualismus existiere.”

18. Oberflächlichkeiten

Ego: “ICH muss ANDEREN das vermitteln, was ich gerne wäre oder glaube, von anderen Anerkennung dafür zu bekommen.”

Alternative: “Ich erkenne, dass ich nicht zu dem Menschen werde, der ich sein möchte, wenn ich andere mit Oberflächlichkeiten zu beeindrucken versuche. Zudem beeindrucke ich damit nur Menschen, die selbst in Oberflächlichkeiten ihre Erfüllung und ihr Glück suchen. Ich weiß, dass durch Besitz kein Glück entsteht, denn Dinge lenken nur vom eigenen Leid ab und werten mich auf.”

19. Provokation

Ego: “ICH verlagere mein Leid auf ANDERE, um es selbst nicht spüren zu müssen.”

Alternative: “Ich erkenne, dass andere oft nicht damit umgehen können und noch mehr leiden. Stattdessen richte ich meinen Blick nach Innen und erkenne mein Leid. Ich erkenne es einfach nur, ohne es zu verurteilen. Ich gehe mit meinem Leid so um, wie ich es früher gerne von anderen erwartet hätte oder heute immer noch erwarte. Doch niemand wird mir dieses Leid abnehmen können, nur ich selbst kann es akzeptieren und dadurch die Leidspirale endgültig beenden.”

20. Rollen

Ego: “ICH bin ein Vater/Mutter/Sohn/Tochter/Vegetarier/Christ/Muslim/Buddhist/Deutscher/ Türke/Amerikaner …”

Alternative: “Ich bin nichts von alldem, sondern ein Mensch, wie jeder andere auch. Anstatt mich in eine Rolle zu zwängen oder zwängen zu lassen, durch die ich andere, die dieser Rolle nicht entsprechen, ausschließe und dadurch Leid in mir und ihnen versuche, verzichte ich auf diese Rollenbilder. Sie sind nicht notwendig. Es sind einfach nur Worte, aber ich identifiziere mich nicht mit diesen Rollen.”

21. Macht

Ego: “ICH habe die Kontrolle über ANDERE.”

Alternative: “Ich übernehme für niemanden die Verantwortung, denn dafür müsste ich jemanden besitzen. Ich kann nur Gegenstände besitzen, die nicht ein Teil von mir sind. Ich kann allerdings keine Menschen besitzen, denn diese sind in irgendeiner Art und Weise mit mir verbunden. Somit kann ich niemanden besitzen, über niemanden Macht oder Kontrolle ausüben, da ich jeder bin und jeder ist ich.”

22. Mobbing

Ego: “ICH werte ANDERE ab, um mich selbst besser zu fühlen.”

Alternative: “Ich werte andere nicht mehr ab, denn das ist nur ein Ausdruck meiner inneren Unzufriedenheit und meiner gefühlten Wertlosigkeit. Diese Gefühle werde ich nicht auflösen, indem ich andere das gleiche Leid spüren lasse. Stattdessen übe ich mich in Zivilcourage, Selbstliebe und Akzeptanz.”

23. Rache

Ego: “ICH möchte, dass ANDERE leiden, da sie mir Schaden zugefügt haben.”

Alternative: “Niemand hat mir Schaden zugefügt, da mir niemand Schaden zufügen kann. Was andere sagen ist lediglich eine Projektion ihres Selbst. Wenn ich mich angegriffen fühle, dann zeigt das, dass ich etwas in mir habe, das mit diesem Angriff nicht umgehen kann, nämlich das Ego. Da das Ego glaubt, dass es jemanden gibt, der mir schaden kann, fühlt es sich angegriffen. In Wahrheit ist alles lediglich ein Verteidigungsstrategie, ein Schutzschild. Ich selbst treffe die Entscheidung, wie ich mit einem Angriff o.Ä. umgehe und nicht andere. Ich selbst entscheide bewusst, indem ich nach Innen höre, ob in dem Angriff möglicherweise etwas Wahres steckt. Dann beschäftige ich mich damit, undzwar auf meiner Seite. Falls es lediglich ein leerer Angriff war, dann war das ein Ausdruck des Leides des Anderen. Ich kann Mitgefühl mit demjenigen haben und ihm zuhören, wenn ich ihm helfen möchte.”

24. körperliche Gewalt

Ego: “ICH möchte ANDEREN körperlichen Schaden zufügen, die mir geschadet haben.”

Alternative: “Körperliche Gewalt ist ein übertriebener Ausdruck von innerer Gewalt, die ich in mir trage. Wenn ich nicht erkenne, welches Leid in mir steckt, dann kann ich es auch durch körperliche Gewalt nicht auflösen. Stattdessen verursache ich nur, dass auch jemand Anderes leidet und dieser das Leid vielleicht auch wieder weitergibt. Ich kann Leid nicht weitergeben, wie einen Laufstab, sondern es nur vermehren, indem ich jemandem Schaden zufüge, oder es in mir auflöse, indem ich es erkenne und akzeptiere.”

25. Mord

Ego: “ICH möchte JEMANDEN umbringen, der mir geschadet hat.”

Alternative: “Das Ego in mir glaubt, dass es Leid auflösen würde, wenn es denjenigen tötet, der es geschaffen hat. Das Ego möchte allerdings nicht sterben, sondern wachsen, weshalb es anderen oder mir selbst Schaden zufügen möchte. Wenn ich darüber entscheide, ob jemand leben darf oder nicht, dann spiele ich einen Gott, der darüber entscheidet, ob Menschen leben oder nicht. Das tut er allerdings nicht. Zusätzlich füge ich allen Menschen Schaden zu, die durch den Verlust dieses Menschen leiden. Mord ist die höchste Form der Multiplizierung von Leid.”

26. Helfersyndrom

Ego: “ICH muss ANDEREN helfen, um gemocht zu werden.”

Alternative: “Anstatt mich für andere aufzuopfern, gebe ich mir selbst das, was ich von anderen verlange, nämlich Liebe und Anerkennung. Solange ich mir diese Anerkennung nicht selbst geben kann, werde ich, bzw. mein Ego, sie immer wieder im Außen suchen. Dadurch füge ich mir selbst Schaden zu, denn ich vergesse mich und meine Bedürfnisse, indem ich die anderer über meine eigenen stelle. Ich vergesse in meinem Wahn der Hilfsbereitschaft vollkommen, was ich eigentlich möchte, während mein Ego wächst und immer mehr Hilfe gibt. Ich muss den Schmerz fühlen und akzeptieren, der aufkommt, wenn ich glaube, dass ich nichts Wert sei, sobald ich anderen meine Hilfe nicht anbiete. Ich muss lernen, öfter nein zu sagen, anstatt das Wort ja inflationär zu benutzen.”

27. Klammern

Ego: “ICH darf ANDERE nicht verlieren, deshalb muss ich mich an ihnen festhalten.”

Alternative: “Ich mache mir bewusst, dass ich wertvoll bin. Ich komme damit klar, wenn andere Menschen gehen. Ich hinterfrage mein Verhalten nur, wenn es schädlich war. Ich verletze niemanden, aber ich verbiege mich auch nicht für andere, denn Menschen passen manchmal einfach nicht mehr zusammen. Wenn sich ein Mensch verändert, dann verändert sich alles. Ich will niemanden verändern, genauso, wie ich auch nicht verändert werden möchte.”

28. Zukunft

Ego: “ICH habe Angst vor der ZUKUNFT.”

Alternative: “Ich bin mit der Zukunft verbunden, deshalb kann ich nicht vor ihr Angst haben. Die Zukunft ist nicht von mir getrennt. Alle meine Entscheidungen, meine Worte, meine Gedanken, meine Gefühle, meine Handlungen und mein Verhalten, wirken sich direkt auf meine Zukunft aus. Ich habe meine Zukunft selbst in der Hand, indem ich die Entscheidungen, Worte, Gedanken, Gefühle, Handlungen und Verhalten in mein Leben bringe, die ich für mein Leben für angemessen halte. Dadurch erschaffe ich meine Zukunft immer wieder neu. Sekunde für Sekunde.”

29. Co-Abhängigkeit

Ego: “ICH bin von ANDEREN abhängig.”

Alternative: “Ich brauche in Wirklichkeit nur eine Person, nämlich mich selbst. Niemand benötigt meine Hilfe und meine Liebe so sehr, wie ich sie selbst brauche. Niemand ist so sehr von der Bedürftigkeit abhängig, wie ich selbst. Solange ich mir diese Liebe und Bedürftigkeit, die auch mit Verantwortung Hand in Hand geben, nicht gebe, werde ich glauben, dass andere diese benötigen. Ich muss den Schmerz erkennen und erleben, der aufkommt, sobald ich nicht mehr der Illusion nachrenne, dass meine Hilfe von jemandem benötigt wird.”

30. Perfektionismus

Ego: “ICH muss perfekt sein, um von ANDEREN gemocht zu werden.”

Alternative: “Es gibt keinen Perfektionismus. Was ich für perfekt halte ist ein Ziel in der Zukunft, das sich immer weiter von mir distanziert, je näher ich ihm komme. Ich bin genauso wie jeder Mensch auch perfekt in seiner Unperfektheit, denn dieses Unperfekte schafft Individualität, die uns gleichzeitig unterscheidet, aber auch verbindet. Sobald ich diese Individualität nicht mehr als etwas ansehe, dass schlecht ist, sondern in seiner Form positiv, werde ich meine Schwächen nicht mehr kaschieren oder kompensieren, sondern einfach nur akzeptieren. Sobald ich erkenne, dass selbst die Menschen, die ich für perfekt halten, sich nicht von Mitmenschen unterscheiden, ich allerdings nur die Seiten gesehen habe, die ich gerne an mir hätte, wird sich der Drang nach Perfektionismus auflösen.”

31. Jammern

Ego: “MIR geht es schlecht und ANDEREN geht es besser.”

Alternative: “Anstatt mich zu beschweren, dass es anderen besser geht, was ich nicht einmal weiß, sondern nur vermute, übernehme ich die Verantwortung für mein Leben. Ich bringe all das in meinem Leben ein, dass ich benötige, um der Mensch zu werden, der ich sein möchte. Nur ich selbst kann meinen Weg gehen, niemand sonst. Ich kann auch nicht die Wege anderer gehen, denn die sind schon reserviert. Meine volle Verantwortung für mich und mein Leben stellt mich zwar immer wieder vor Herausforderungen, aber führt mich im Endeffekt auf meinem Weg genau dorthin, wo ich hinmöchte.”

32. Lob/Komplimente

Ego: “Was DU gemacht hast, finde ICH gut.”

Alternative: “Lob und Komplimente sind lediglich der Versuch, andere so zu formen, zu manipulieren, wie ich es für richtig halten. Das bedeutet allerdings, dass das für andere auch richtig ist. Außerdem werde ich keine Verantwortung für andere übernehmen, da ich sie und mich ansonsten in ihrer Unbewusstheit stärke. Stattdessen mache ich mir bewusst, dass jeder selbst für seine Handlungen verantwortlich ist und von niemandem manipuliert werden sollte.”

33. Kritik

Ego: “So wie DU es gemacht hast, halte ICH es nicht für richtig.”

Alternative: “Nur, weil ich es nicht für angemessen halte, heißt das nicht, dass der andere seine Entscheidungen, sein Verhalten, seine Worte usw. für richtig hält. Ich möchte niemanden verändern, denn jeder ist in seiner Einzigartigkeit perfekt so, wie er ist.”

34. Anerkennung

Ego: “ICH muss von ANDEREN gemocht werden, da ICH ansonsten nichts Wert bin.”

Alternative: “Die Wahrheit der anderen ist nicht meine Wahrheit. Wenn andere mir gesagt haben, dass ich nichts Wert sei, dann ist das deren eigenes Spiegelbild. Sie haben mich abgelehnt, da sie mit sich unzufrieden und unglücklich waren. Das kenne ich von mir selbst. Ich darf nein sagen und das tun, was ich für richtig halte.”

35. Vergangenheit

Ego: “ICH bin hier und meine VERGANGENHEIT ist vorbei.”

Alternative: “Vergangenheit ist nicht vorbei, denn Vergangenheit lebt jetzt in diesem Moment. Alles, was ich in der Vergangenheit getan habe, hat auf meine Gegenwart eine Konsequenz, die ich nicht mehr ändern kann. Ich kann zwar jetzt entscheiden, wie ich mich verhalte, was ich fühle und was ich denke, aber was ich in der Vergangenheit getan habe, das ist getan. Ich kann nicht über meine Vergangenheit nachdenken, denn ich bin meine Vergangenheit. Ich kann mich nicht über meine Vergangenheit aufregen, denn ich bin meine Vergangenheit. Ohne meine Geburt wäre ich heute nicht, demzufolge könnte ich ohne meine Vergangenheit nicht existieren.

Wie wir Dualismus auflösen

1. Dualismus erkennen

Durch fehlenden Dualismus können wir anderen nicht mehr die Schuld für unser Leid geben, da es keine “anderen” mehr gibt. Auch keinen Gott, Schicksal, Gesellschaft, Politik, Ausländern usw.

Denn: Du bist Gott. Du bist das Schicksal. Du bist die Gesellschaft. Du bist die Politik. Du bist ein Ausländer usw.

Gerade die Aussage “Du bist Gott” mag dir vielleicht eigenartig erscheinen. Tatsächlich ist es aber so, dass westliche Religionen den Begriff Gott zwar richtig vermitteln, aber viele Menschen ihn schlichtweg falsch verstehen. Mit Gott ist hierbei kein übernatürliches Wesen gemeint, dass über uns herrscht, sondern das was übrig bleibt, wenn wir unser Leid aufgelöst haben: Bewusstsein.

Dualismus führt zu einem ständigen hin und her zwischen Befriedigung(Effekten) und Leid (Schmerzen). Solange wir daran teilhaben, wird unser Geist nie Ruhe finden und sich nicht erkennen können. Erst, wenn alles, was uns einengt, entfernt ist, dann erkennen wir, dass es kein Selbst gibt, sondern nur Bewusstsein. Wir erkennen, dass alles andere eine Illusion war, die wir nicht erkennen konnten, da wir mit Befriedigung und Schmerzvermeidung zu sehr beschäftigt waren.

Durch Wissen, also dem Wissen, dass Dualismus zu Leid führt, wird uns nach und nach bewusst, dass da kein ICH ist, denn wo es nichts gibt, dem wir etwas gegenüberstellen können, da kann nichts davon existieren.

Ist das Wasser des Flusses, das in das Meer fließt, nun das Wasser des Flusses oder das Wasser des Meeres? Sowohl, als auch.

Ist der leichte Wind, der sich zu einem Sturm entwickelt, nun ein leichter Wind oder ein Sturm? Sowohl, als auch.

Ist der Mensch, der aus Afrika nach Deutschland kommt, nun ein Afrikaner oder ein Deutscher? Sowohl, als auch.

Wenn wir aufhören, die Dinge mit Worten, Gedanken und Handlungen zu unterteilen, dann löst sich unsere Unbewusstheit und unser Ego auf und damit auch das Leid, das damit einhergeht. Das meinte Buddha mit der ersten der vier edlen Wahrheiten, als er sagte:

“Unwissenheit ist Leid.”

2. Verbundenheit erkennen

Wir sind mit allem verbunden. Nicht nur mit Menschen und Tieren, sondern auch mit Pflanzen, der Vergangenheit, der Zukunft und dem Universum. Das mag dir eigenartig erscheinen, wenn du nicht darüber nachdenkst, aber auch das liegt lediglich an deiner Unwissenheit.

Suche deshalb die Gemeinsamkeiten und die Verbindungen und nicht die Unterschiede. Dein Vater und deine Mutter haben dein Leben geschaffen. Davor waren vier Menschen dafür verantwortlich, dass das Leben deiner Eltern geschaffen wurde usw. Du bist mit Millionen von Menschen verbunden, die durch ihre Fortpflanzung dein Leben geschaffen haben. Davon kannst du dich nicht trennen.

Wir Menschen ernähren uns von Tieren und Pflanzen. Die Tiere ernähren sich wiederum von anderen Tieren und Pflanzen, mit denen du somit auch verbunden bist. Die Pflanzen ernähren sich von Wasser, Licht der Sonne und Nährstoffen aus der Erde, sowie dem Sauerstoff der Bäume.

Du bist somit auch mit dem Wasser, den Bäumen, der Sonne und den Nährsoffen der Erde verbunden. Wo kommen die Nährstoffe der Erde eigentlich her? Von toten Pflanzen, toten Tieren und … toten Menschen. Ganz genau. Pflanzen beziehen ihre Vitamine und Mineralien aus der Erde, die auch die Überreste von Menschen enthält. Ein Apfel enthält also nicht nur Teile von anderen Pflanzen und Tieren, sondern auch von Menschen, mit denen du auch verbunden bist, sobald du den Apfel ist.

Auch du wirst irgendwann sterben und Tiere, Pflanzen und auch Menschen werden direkt oder indirekt durch dich leben bzw. existieren, wodurch du dich wieder in den Kreislauf des Lebens einreihst. Somit bist du verantwortlich für zukünftiges Leben.

Weitere Beispiele gefällig?

Durch die Kollision toter Neutronensterne vor etwa 4.2 Milliarden Jahren entstanden Gold und weitere Metalle, wie Platin und Kupfer, die sich auf der Erde ablagerten.

Diese Metalle werden von Menschen ausgegraben und verarbeitet. Diese Menschen leben von dem Geld, dass sie dadurch erwirtschaften. Sie kaufen sich essen, bezahlen ihre Miete und ihren Strom. Die Metalle werden in Uhren, Ringen, Schmuck und Elektronik verarbeitet, die wir kaufen. Dadurch ermöglichen wir andere Menschen zu leben. Wir verkaufen irgendwann die Waren wieder und ermöglichen den Käufern und uns ebenfalls Leben.

Dadurch sind wir mit unzählig vielen Menschen verbunden und dem Universum, das irgendwann, noch bevor es überhaupt Menschen gab, dafür verantwortlich war, dass wir heute Dinge kaufen und dadurch Leben ermöglichen.

Ein weiteres Beispiel ist der Mond, der zu 90% aus Wasser besteht. Weißt du, wer ebenfalls fast ausschließlich aus Wasser besteht? Wir Menschen. Wenn Vollmond ist, dann führt die Nähe des Mondes dazu, dass das Wasser in uns zu vibrieren beginnt, was sich z.B. in Schlaflosigkeit bemerkbar macht.

Ein weiteres Beispiel ist die Sonne, die überhaupt erst unser Leben ermöglicht. Unsere Sonne entstand vor etwa 4.9 Milliarden Jahren aus dem Staub von Sternen, die zuvor explodiert waren. Diese Sternen entstanden dadurch, dass zuvor weitere Sterne explodiert waren und sich zu anderen Sternen und Planeten formten. Dieses Gedankenspiel kannst du solange fortsetzen, bis du am Anfang unseres Universums angelangst, nämlich dem Urknall.

An diesem und den vorherigen Beispiel erkennst du deutlich, dass du mit allem verbunden bist, was in der Vergangenheit existierte und geschah. Du bist mit dem kompletten Universum verbunden und allem, was darin existiert und somit auch mit den Menschen, die existierten, egal ob du sie kennst oder nicht.

Dieses Beispiel ist für den Verstand so unglaublich groß, dass er damit nichts anfangen kann. Denke deshalb nicht darüber nach. Du kannst es nicht logisch betrachten oder analysieren. Astrophysiker, Weltraumforscher und viele andere Menschen untersuchen den Weltraum, aber das ist nicht deine Aufgabe, denn das beschränkt dich nur und grenzt dich wieder davon ab (HIER bin ich und DORT ist das Weltraum). Du bist das Weltraum.

Zurück zur Sonne: Auch unsere Sonne wird irgendwann explodieren und die Erde, samt allem, was sich darauf und darin befindet, auslöschen. Bis dahin sind wir allerdings mit der Sonne verbunden, bevor sie danach wieder andere Planeten und Sonnen und vielleicht sogar Leben erschaffen wird, das in der Zukunft existieren wird.

Dieses Beispiel und viele anderen zeigen, dass alles, was du tust und nicht tust direkte oder indirekte Auswirkungen auf deine Zukunft hat. Du bist deine eigene Zukunft. Sobald du das erkannt hast, wirst du keine Angst mehr vor deiner Zukunft haben, da diese nicht außerhalb von dir existierst, sondern ein Teil von dir ist. Du kannst nicht vor etwas Angst haben, dass du selbst bist, sondern lediglich vor etwas, dass du nicht bist.

Unser Universum besteht zu 99.999999% aus leerem Raum. In Wirklichkeit existiert keine Materie, sondern ausschließlich leerer Raum. Das, was wir sehen, ist lediglich die Hülle des leeren Raumes, denn zwischen den Atomen, aus denen alles besteht, ist leerer Raum. Wir sind also mit allem verbunden, was aus leerem Raum besteht. Also mit 99.999999% dessen, was wir wahrnehmen oder von dem wir wissen, dass es existiert.

Kannst du weitere Gemeinsamkeiten und Zusammenhänge finden? Du wirst nach und nach erkennen, dass nichts alleine existiert, sondern alles verbunden ist.

Selbstlose Gefühle kultivieren

1. Dankbarkeit

Ich bin dankbar für mein Leben und alles, was passiert ist, was gerade passiert und was passieren wird.

Dankbarkeit hat keine negativen Auswirkungen auf mich oder auf andere, weshalb ich damit nicht sparsam umgehen muss.

Dankbarkeit löst negative Gefühle auf, da sie frei vom Selbst, frei vom Ego ist.

Dankbarkeit braucht keinen Dualismus, sie existiert ohne den Glauben, dass ein Ich existiert.

Ich kann nicht dankbar und gleichzeitig wütend oder ängstlich sein.

Welches Gefühl bevorzuge ich?

Wenn ich wütend auf jemanden bin, dann kann ich mich fragen, was wir gemeinsam haben und wofür ich bei diesen Gemeinsamkeiten dankbar bin.

Habe ich von meiner Mutter oder meinem Vater etwas vererbt, wofür ich dankbar bin?

Hat mich jemand darauf aufmerksam gemacht, dass ich gerade unbewusst bin?

Dann kann ich ihm dafür dankbar sein, denn er ist mein Lehrer.

Wurde in mir ein Schmerz ausgelöst, der in der Vergangenheit erschaffen wurde?

Dann bin ich demjenigen dankbar dafür, dass er mich auf diesen Schmerz aufmerksam gemacht hat, denn nur durch Bewusstheit kann ich den Schmerz auflösen.

2. Mitgefühl

Andere handeln ausschließlich aus Unwissenheit, nicht aus Boshaftigkeit. Unwissenheit darüber, dass es Dualismus gibt und, wie sie diesen und die damit verbundenen Störgefühle auflösen können. Du entwickelst Mitgefühl anderen gegenüber, da du erkennst, dass sie aus Unwissenheit leiden. Wir möchte ihnen helfen, diese Unwissenheit nicht weiter zu stärken, indem wir nicht mehr unwissentlich, also unbewusst, reagieren und handeln.

3. Vergebung

Vergebung geschieht durch das Wissen, dass andere aus Unwissenheit gehandelt haben.

Dadurch entsteht Mitgefühl.

Es bleibt dir dann gar nichts anderes mehr übrig, als denjenigen zu verzeihen, die nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Unwissenheit gehandelt haben. Sie wussten es einfach nicht besser.

Sie haben dir nicht geschadet, weil sie persönlich etwas gegen dir hatten, sondern weil ihnen die Erkenntnisse gefehlt haben, die du hier gerade machst.

Dieses Wissen hilft dir, andere Menschen wahrhaftig friedvoll zu behandeln, wobei du ohne dieses Wissen, also in Unbewusstheit, selbst-/ und fremdzerstörerisch handelst. So auch die Menschen, die dir etwas angetan haben.

Vergebung ist ein Prozess, der in jedem Moment stattfindet, indem du die Unwissenheit anderer als die Ursache ihres schädlichen Handelns erkennst.

Vergebung ist nichts, was plötzlich irgendwann in der Zukunft eintritt, sondern nur im Jetzt.

Du kannst immer dann, wenn du Wut, Hass oder Groll gegen jemanden spürst, der dir geschadet hat, erkennen, dass er aus Unwissenheit, aus Unbewusstheit, handelt. Dann spürst du, wie diese Gefühle in dir schwächer werden.

Wut, Hass und Groll vermitteln dir nur, dass sie dem anderen schaden können, doch in Wahrheit schaden sie nur dir selbst. Sie sind das Gift, dass du selbst nimmst, in der Hoffnung, dass jemand anderes dadurch leidet.

Dieses Gift hat in mir eine Panikstörungen, Angstattacken und eine schwere Depression ausgelöst. Denjenigen, den ich eigentlich “vergiften” wollte, wurde weit weniger geschadet.

Erkenne dieses aufsteigende Gift in dir, ohne es zu verurteilen.

Erinnere dich an die Tatsache, dass Unwissenheit zu Leid führt.

Auch dadurch konnte ich meinem Vater verzeihen, da ich erkannt hatte, dass er sich nicht aus Wut mir gegenüber so verhalten hatte, sondern aus Unwissenheit darüber, wie man sich als liebevoller Vater eigentlich verhalten sollte.

Erkenne diese Unwissenheit und dann blicke durch diese Unwissenheit des anderen hindurch und erkenne, dass sich dahinter ein Mensch wie du auch befindet, der lediglich eins möchte: Liebe.