Du willst nicht glücklich sein

“Mir geht es gut. Wirklich”, sagt die Patientin und grinst uns an. Ihr lachen ist unecht. Wie es schon immer war. Am nächsten Tag finden die Schwestern sie tot in ihrem Zimmer. Suizid. Wir Menschen benutzen sogenannte “Shortcuts”, um das Verhalten und sogar die Stimmung anderer einzuschätzen. Sehen wir jemanden, der lacht und schöne Dinge sagt, verbindet unser Gehirn diesen Eindruck damit, dass es diesem Menschen gut geht. Schlimmer noch: Es verbindet damit eine eigene Verhaltensweise mit einer falschen Wahrheit, nämlich dass Positivität uns ein glückliches Leben bringen würde.

Die Wahrheit ist komplex. Doch unser Gehirn nimmt Abkürzungen. Auch bei eigenem Verhalten. Der kurze, einfache, bequeme Weg ist selten der, der zu etwas führt, für das es sich zu kämpfen lohnt. Der bequeme Weg ist nicht der Weg, der etwas schafft, was Menschen in unserer “Welt”, in der wir doch eigentlich alles haben könnten, alle so leidenschaftlich haben wollen.

Glück ist eine Konsequenz aus Handlungen, die eine Überwindung alter Strukturen benötigen. Glück ist kein Dauerzustand. Glück ist etwas, das manchmal mehr, manchmal weniger, da ist. Glück das gedankenverlorene Spielen mit den Kindern auf dem Spielplatz. Glück ist das Erlernen eines Instrumentes. Glück ist das ausleben und erleben des eigenen Potenzials. Glück ist ein Flow-Moment, in dem wir die Zeit vergessen.

Glück ist nicht das Bewegen der Mundwinkel und das Aussprechen von Dingen, die schön klingen.

Glück ist ein Kampf, das durchschreiten der Hölle, der Kampf mit dem Teufel, die Akzeptanz, das wir alle sterbliche, fehlbare, unbesondere, egoistische Ärsche sind, die nur auf ihr eigenes Wohl aus sind. Doch das willst du nicht hören, richtig? Deshalb greifen deine Gedanken mich jetzt ein. Weil dein Verstand nicht glücklich sein will. Er will leiden, Probleme haben und dir immer wieder darüber erzählen. Dein Ur-Zustand will glücklich sein. Dein Organismus will glücklich sein. Aber nicht dein Verstand. Wer den Kampf gewinnt, entscheidest du.