Das Böse erklärt am Beispiel Hannibal

 

Will hält in blutigen Händen den Hirsch, der seinen Psychiater Hannibal repräsentiert, und das Böse in ihm darstellt. Nicht das absolut Böse in einem Dualismus, sondern das archaisch Böse, in einem Kampf zwischen der Freundschaft zu Will und des eigenen, pathologisch völlig zerrissenen, antisozialen Verhaltens.

Der gebrochene, verletzte, mit Symptomen einer schweren Depression gebeutelte Will fühlt sich nach der Kenntnis über Hannibals Vorliebe für Menschenfleisch sogar noch mehr zu ihm hingezogen, noch mehr in seiner inneren Überzeugung, das Böse gehöre nun einmal zur Existenz, zu seiner eigenen Existenz, bestätigt.

Will schafft es, wie so viele mit seiner psychologischen Konstellation, nicht, sich von dem Bösen komplett abzuwenden. Das Destruktive zerfrisst ihn von innen, richtet sich gegen seine eigene Existenz, gegen die Existenz anderer, in einer Unfähigkeit, weder mit, noch ohne Hannibal zu leben.

Ein Jammer. Verliebt in Probleme, in Leid, in das Böse, bestätigt in der immer wiederkehrenden Überzeugung, das Böse sei nicht nur Teil der menschlichen Existenz, sondern sogar der einzig reale Kern, tut Will das, was diejenigen tun, die das Böse nicht überwinden können: Sie stürzen sich mit ihm zusammen in den Abgrund.

Die Hoffnung liegt nur in der dualistischen Integration des Bösen, in der Akzeptanz, nicht in der Ablehnung, in der Umarmung, um eine Auflehnung des Bösen und damit der drohenenden Identifikation entgegenzuwirken.