11 überraschende Verhaltensweisen, die durch deine Ängste erschaffen werden

Angst kann sich zwischen “irgendwie unangenehm” bis “Hölle auf Erden” bewegen.

Ich habe noch keinen Menschen erlebt, der von sich aus sagte: “Ich habe gerne Angst.” Die meisten nehmen ihr Verhalten auch gar nicht als Ausdruck von Angst wahr, sondern einfach als Teil ihrer Persönlichkeit.

Verständlicherweise fühlen sich ein erhöhter Herzschlag, Schweißausbrüche, Magenkrämpfe und dieses dumpfe Gefühl im Lungenbereich nicht angenehm an. 25% aller Menschen in Deutschland erkranken mindestens einmal in ihrem Leben an einer Angststörung, 6,1% davon an einer Panikstörung.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass du immer wieder mit Menschen Zeit verbringst, bei denen Angst eine zentrale, lebensführende Rolle in ihrem Leben spielt.

Es ist nicht immer (sogar sehr selten) klar sichtbar. Zu dem Schutzrepertoire dieser Menschen gehört es nämlich auch, die Ängste so gut wie möglich zu verstecken, da die damit verbundene Schwäche, die sie sich einreden, weitere Ängste auslösen könnte. So hatte ich in meiner Zeit mit meiner Panikstörung viele Momente, in denen mir mein Gegenüber etwas erzählte, während in mir innerlich durch eine ausgewachsene Panikattacke die Hölle ausbrach. Davon hat nie jemand etwas mitbekommen.

Angst kann uns einschränken und sogar lebensunfähig machen. Ziel ist allerdings keine feindliche Beziehung ihr gegenüber, sondern eine freundschaftliche. Dafür müssen wir sie allerdings zuerst wahrnehmen, um sie danach einbauen zu können. Darum geht es in diesem Artikel. Um die Wahrnehmung, fern von Lösungsschritten, die ich an anderen Stellen genügend darstelle. Dazu mehr am Ende des Artikels.

Hier ein paar Anzeichen von Angst, die nicht unbedingt offensichtlich sind:

1. Du erfindest oft Ausreden, um soziale Situationen zu vermeiden

Soziale Aktivitäten können eine große Quelle der Angst für dich sein. Wenn du ehrlich zu dir bist, vermeidest du sie nicht, um eine Auszeit zu haben (Introvertierte brauchen davon z.B. mehr als andere), sondern weil du Angst hast.

Diese Angst ist für dich ermüdend und schrecklich anstrengend.

Niemand wird diese Angst wirklich wahrnehmen. Da diese Situationen für dich allerdings nicht entspannend, sondern anstrengend sind, wirst du oft Ausreden finden, um sie zu vermeiden.

Du hast also nur ein geringes Level an Sozialisierung, das schnell aufgebraucht ist.

“Sorry, ich kann heute leider nicht. Die Großmutter des Freundes meiner Schwester, deren Tochter hat einen Onkel und sein Vater hat einen Goldfisch und der ist leider gestorben. Tragisch!”

2. Du zerdenkst Kleinigkeiten, die andere gar nicht erst beachten

“Warum schaut der mich so komisch an?”

“Hätte ich das meinem Chef vielleicht doch sagen sollen?”

“Warum antwortet er seit zwei Stunden nicht auf meine Nachrichten?”

Du bist in der Lage, stundenlang Dinge zu analysieren, da dein überaktiver Verstand glaubt, dass in allem eine Bedeutung steckt.

Angst entsteht, wenn du keine Antwort findest. Und das ist sehr wahrscheinlich, denn meistens gibt es einfach keine Antwort, da das Verhalten anderer nicht die Bedeutung hat, die du ihm beimisst. Dein Verstand sucht allerdings weiter und will nicht damit aufhören, richtig?

Andere Menschen verstehen nicht, wie du soviel Zeit damit verbringen kannst, Kleinigkeiten zu analysieren.

Overthinking (engl.) = Die Kunst, Probleme zu erschaffen, wo gar keine sind

3. Du schläfst schlecht

Schlaf war für dich immer schon ein Problem. Es ist schließlich auch nicht einfach, wenn Angst deinen Körper wachhält und dein Verstand einfach nicht anhalten will.

Und da das nicht genug ist, wirst du auch immer wieder wach und die Angst beginnt wieder von vorne, wodurch es für dich unmöglich wird, einfach mal durchzuschlafen.

Du kannst es nicht nachvollziehen, wie Menschen magische acht Stunden schlafen können.

Morgens: Müde.
Abends: Will schlafen.
Nachts: Kann nicht schlafen.

4. Du denkst immer an das Worst-Case-Szenario

Den Moment so genießen, wie er ist? Das Leben ohne Sorgen leben? Haha, von wegen!

Dein Verstand kann nicht anders, als sich ständig den schlimmsten Fall auszumalen. Du bist ein Hypochonder und sogar der kleinste Hinweis auf eine Gefahr lässt deinen Verstand im Wirbelwind seiner Selbst aufdrehen.

Aber es ist nicht alles schlecht.

Sich das Worst-Case-Szenario auszumalen ermöglicht es uns, uns besser auf unangenehme Situationen vorzubereiten als andere. Und wir brauchen alle jemanden, der vorbereitet ist, wenn der Zug nicht mehr anhalten möchte.

“Das kannst du nicht nachvollziehen. Ich bin ein natürlicher Experte im Bereich Worst-Case-Szenarien.”

5. Du wiederholst ständig Unterhaltungen in deinem Kopf

“Habe ich etwas Falsches gesagt?”

“Hätte ich es anders sagen sollen?”

“Warum haben die so gelacht, als ich etwas Ernstes gesagt habe?”

Die Fragen rennen dir durch deinen Kopf, sogar Tage nach der eigentlichen Situation.

Deshalb vermeidest du auch strikt Konfrontationen. Um jeden Preis. Du willst einfach nichts mit den ängstlichen Gedanken zutun haben, die jedes Mal aufkommen, wenn du eine anstrengende Unterhaltung mit jemandem führst.

Du glaubst, dass es einfach am Besten sei, zu anderen nett zu sein, ansonsten wirst du Angst davor haben, dass sich jemand angegriffen fühlt.

“Ich habe eine soziale Angst. Jedes Mal verhaue ich eine Unterhaltung. Ich wiederhole sie ständig in meinem Kopf. Ich weiß, dass die Menschen das nicht wahrnehmen oder es sie nicht interessiert, aber ich fühle mich einfach immer wieder schlecht.”

6. Wenn sich jemand Sorgen um dich macht, machst du dir erst Recht Sorgen um dich

Wenn dir jemand folgende Frage stellt:

“Geht’s dir nicht gut?”,

einfach nur weil er das Gefühl hat, dass mit dir etwas nicht stimmt, fragst du dich:

“Ohje, vielleicht geht es mir ja wirklich nicht gut?”

Du interpretierst in die Wahrnehmungen anderer mehr, als in deine eigenen. Es ist anstrengend, denn eigentlich fühlst du dich ja gut, bis ein Freund einen negativen Gedanken in deinen Kopf pflanzt. Das ist genau der Gedanke, der deinen Verstand aufwühlt und nach Problemen suchen lässt.

“Geht es dir wirklich gut?”
Ich verhalte mich, als ob es mir gut geht. Bitte unterbrich meine Performance nicht!

7. Du hast mehr Angst vor der Zukunft, als dass du dich auf sie freust

Während sich die meisten Menschen aufgeregt darauf freuen, was vor ihnen liegt, kannst du einfach nicht anders, als ängstlich darüber nachzudenken, was kommen könnte.

Du hasst Veränderung und fragst dich ständig, was schiefgehen könnte. Du glaubst auch, dass alles so, wie es aktuell ist, ewig bleiben und du niemals aus dieser Situation kommen wirst. Du setzt dein Unglück für die Zukunft fest.

Das Allerletzte was du tun möchtest ist über die Hindernisse nachzudenken, die auf deinem Weg liegen könnten.

Unsere Angst kommt nicht von dem Gedanken an die Zukunft, sondern von dem Drang, sie kontrollieren zu müssen.

8. Du bist ein Perfektionist

Menschen sagen dir ständig, dass du mehr tust als das, was du wirklich tun müsstest. Sie machen sich vielleicht sogar darüber lustig, wie viele Gedanken du dir immer über die Dinge machst.

Die Realität ist allerdings, dass du es hasst, etwas zu beenden und du tust etwas niemals so, wie du es dir zuvor ausgemalt hast. Dinge wie einen schlechten Job zu machen oder nicht dein Bestes zu geben verursachen bei dir Bauchschmerzen.

“Ich bin ein Perfektionist und ich denke ständig, dass ich etwas hätte besser machen können, auch wenn es gut war.”

9. Du hast kleine Ticks, die sich körperlich bemerkbar machen

Nägelbeißen, haarezwirbeln, lippenkauen. Das sind ein paar Symptome deiner Angst. Menschen glauben, das seien Gewohnheiten, aber es ist einfach nur ein körperlicher Ausdruck deiner Angst.

Genauso können sich Ängste in körperlichen Schmerzen ausdrücken, wie Nackenschmerzen, Migräne, Bauschmerzen, Schmerzen der Sexualorgane, Herzstechen/Herzstolpern, Atemnot, ständiges Hungergefühl, Kribbeln in Fingern/Füßen usw.

“Ich bin körperlich krank. Alles an mir schmerzt, drückt, kribbelt, sticht, zieht sich zusammen. Als ob mich ein Löwe verfolgen würde…”

10. Dir fällt es schwer, “nein” zu sagen

Du kennst deine Grenzen nicht und willst niemanden enttäuschen. Deshalb sagst du wie am laufenden Band “ja”, bis die Dinge sich überschlagen und dich einfach nur noch überfordert fühlst.

Du sagst zwar ständig “ja” meinst allerdings in Wahrheit “nein”. Das erzeugt Wut auf dich selbst und die anderen und erhöht die Angst, dich zu überfordern.

Du kannst ein freundlicher Mensch mit einem guten Herz sein und trotzdem “nein” sagen.

11. Du schottest deine Emotionen ab

Niemand würde von dir behaupten, dass du dein Herz nicht am rechten Fleck hast. In Wahrheit ist es sogar genau so. Du bist darauf trainiert, dich so zu verhalten, dass alles okay ist, obwohl das vielleicht weit von der Wahrheit entfernt ist.

Niemand würde verstehen, dass du ein professioneller Fälscher deines eigenen Verhaltens bist. Du zeigst nur selten, wie du dich wirklich fühlst. Stattdessen sperrst du deine Gefühle in eine Flasche, verschließt sie und hoffst, dass sie von alleine wieder weggehen.

“Ich muss meine Emotionen kontrollieren. Ansonsten kontrollieren sie mich.”